Kleiner Kater nach der Party


Fastenzeit auch an Börsen möglich


Auf die Jahresendrally 2023 folgte für viele Aktienmärkte ein guter Start ins Jahr 2024. Die großen Aktienindizes in den USA, Europa und Japan erreichten eine Reihe neuer Rekordhöchststände. Gestern gab es auf hohem Niveau einen kleinen, aber vielleicht bedeutenden Rücksetzer. Der DAX sank wieder unter die Marke von 17.000 Punkten, der S&P 500 unter die magischen 5.000 Punkte. Gut möglich, dass die ausgelassene Stimmung der Anleger vorerst vorbei ist. Wie nach der Faschings- und Karnevalssaison könnte nun auch hier eine ruhigere Fastenzeit anstehen.

US-Inflation als Dämpfer


Anlass für schwächere Aktienmärkte war die gestrige Veröffentlichung des US-Konsumentenpreisindex. Im Januar zogen die Verbraucherpreise saisonbereinigt um 0,3 % gegenüber dem Vormonat an. Ohne Nahrungsmittel und Energie (Kernrate) betrug der Anstieg 0,4 %. Größter Preistreiber blieben die Wohnkosten. Im Jahresvergleich sank die Inflationsrate zwar von 3,4 % auf 3,1 %, zeigte sich aber höher als erwartet. Bei der Kerninflation stagnierte die Jahresrate sogar bei 3,9 %. Schuld daran sind die dominanten Wohnkosten, ohne die sich die Inflationsrate mit 2,2 % (Y/Y) sogar nahe am Stabilitätsziel bewegen würde. Die Chancen auf schnelle Leitzinssenkungen der Fed sind jedenfalls gesunken. Wir erwarten eine geldpolitische Kehrtwende weiterhin nicht vor Juni 2024. Die Renditen der zehnjährigen US-Staatsanleihen sprangen um 15 Basispunkte auf ein neues Jahreshoch über 4,3 %.

US-Firmen weniger optimistisch


Die gute wirtschaftliche Lage in den USA lässt wohl wenig Spielraum nach oben. Kleinere US-Firmen schauen laut einer monatlichen Umfrage der NFIB (National Federation of Independent Business) kritischer in die Zukunft. Statt eines wie vom Konsens erwarteten Anstiegs fiel der Index für das Wirtschaftsvertrauen im Januar von 91,9 Punkten auf 89,9 Zähler. Damit sank das Optimismus-Barometer fast auf den niedrigsten Stand der vergangenen zehn Jahre (Tiefpunkt vom April 2023: 89,0 Punkte). Von den knapp 1.300 befragten US-Unternehmen berichteten deutlich mehr von einem Ergebnisrückgang als von einem Gewinnanstieg. Trotz schwächerer Werte bestätigte die Umfrage den robusten US-Arbeitsmarkt: 39% der Unternehmen gaben an, dass sie nicht alle ausgeschriebenen Stellen besetzen konnten.

ZEW-Umfrage zeigt Schere auf


Für Deutschland lässt die aktuelle Konjunkturschwäche dagegen Spielraum nach oben. Die vom Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) befragten Analysten und Investoren schätzten die konjunkturelle Lage für Deutschland im Februar auf den niedrigsten Stand seit Juni 2020 ein (-81,7 Punkte nach -77,3 im Vormonat). Im Gegensatz dazu stiegen die ZEW-Konjunkturerwartungen weiter an (von 15,2 auf 19,9 Zähler). Somit vergrößerte sich die Schere zwischen negativer Lage und positiven Erwartungen.

Heute wenige neue Makrodaten


Die zweite Schätzung für die BIP-Entwicklung in Q4/2023 im Euroraum dürfte eine Stagnation bestätigen (0,0 % Veränderung gegenüber Q3). Interessanter wird die Veröffentlichung für die Industrieproduktion im Euroraum: Nach dem Rückgang im November (-0,3 % gegenüber Vormonat) erwarten wir hier auch für den Dezember noch eine Fortsetzung des rückläufigen Trends.


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Herausgeber


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