Belastungen von allen Seiten


In den zwei Wochen Impressionen-Pause haben sich im Markt fast durchgängig Rezessionsängste ausgebreitet. Ersichtlich ist dies an fallenden Staatsanleiherenditen und Swapsätzen, an stark zurückgehenden Börsennotierungen für Industriemetalle sowie an sich eintrübenden Gewinnerwartungen an den Aktienmärkten. Inflationssorgen und damit Zinsanhebungserwartungen sind damit jedoch noch lange nicht ausradiert – und sie könnten in den kommenden Tagen das Marktgeschehen wieder dominieren, werden doch die Sitzungsprotokolle der jeweils letzten FOMC- und EZB-Sitzungen veröffentlicht. Die Diskussion über eine Sicherstellung der Energieversorgung in Deutschland sowie der Auftakt zu Kanzler-moderierten Gesprächen über eine angemessene Tarifpolitik im gegenwärtigen Umfeld runden das außergewöhnlich anspruchsvolle Umfeld ab.

Das erste Halbjahr 2022 wird in die Geschichtsbücher als Periode eingehen, in welcher die Zentralbanken die Öffentlichkeit auf einen steilen Zinsanhebungszyklus vorbereitet haben. Noch zu Jahresbeginn erwarteten die Anleger von der Fed in diesem Jahr Zinsanhebungen im Umfang von maximal 50 Bp, zwischenzeitlich waren es fast 350 Bp, aktuell sind es rund 300 Bp. Von der EZB wurden zu Jahresbeginn noch überhaupt keine Zinsanhebungen erwartet, Mitte Juni waren es rund 200 Bp, aktuell sind es etwa 125 Bp. In diesem Umfeld verbuchte der STOXX Europe 600 mit minus 17% das schlechteste Auftakthalbjahr seit 2008, der S&P 500 mit minus 21% sogar das verlustreichste erste Halbjahr seit 1970.

Früher als antizipiert haben sich Rezessionsängste zu den Inflations- und Zinsanhebungssorgen addiert. Zwar führten diese zu einer deutlichen Abschwächung der Zinsanhebungserwartungen, allerdings reichte dies bislang noch nicht aus, um die Aktienmärkte über eine Ausdehnung der Bewertungskomponente zu stabilisieren. Die Anleger stellen sich weiterhin auf einen steilen Zinsanhebungspfad der maßgeblichen Notenbanken ein, allerdings sind die Erwartungen über das gesamte Ausmaß an Zinsanhebungen in den vergangenen Wochen deutlich zurückgekommen.

Für die kommenden Tage hält der Datenkalender keine markenten Veröffentlichungen vor, die geeignet wären, die Rezessionsängste weiter zu nähren. Erst am Freitagnachmittag erhalten wir aus den USA den landesweiten Arbeitsmarktbericht. Zuvor werden jedoch die Kurzprotokolle der FOMC-Sitzung vom 15. Juni (Mittwoch) sowie der EZB-Sitzung vom 9. Juni (Donnerstag) veröffentlicht. Diese Zusammenfassungen dürften unter den Anlegern wieder die Zinsanhebungsbefürchtungen beleben, was an den Rentenmärkten wieder zu steigenden Renditen führen könnte. Deutlich stärker als erwartet angestiegene Inflationszahlen heute früh aus der Schweiz belegen einmal mehr, dass das Inflationsthema trotz der um sich greifenden Rezessionssorgen noch lange nicht ausgestanden ist. In der Schweiz beschleunigte sich der Auftrieb der Verbraucherpreise im Juni von 2,9% auf 3,4%, erwartet worden war lediglich ein Anstieg auf 3,1%.

Jenseits dessen ist die öffentliche Diskussion hierzulande freilich dominiert von der bedrohlichen Lage um die Gasversorgung der Bundesrepublik. Ausgerechnet jetzt könnte ein Streik in der Öl- und Gasindustrie Norwegens auch noch zu verminderten Importen aus unserem nördlichen Nachbarland führen. Der Benchmark-Kontrakt für Gas in Europa steigt heute früh auf über 150 EUR/MWh und damit das höchste Niveau seit Anfang März. Parallel dazu erklimmen die Börsennotierungen für Strom immer neue Höhen. Der entsprechende Benchmark-Kontrakt in Leipzig stieg am Freitag erneut um mehr als 5% auf ein neues Allzeithoch von 310 EUR/MWh.

In diesem Umfeld beginnt heute auf Initiative des Bundeskanzleramts die „Konzertierte Aktion“. In Gesprächen zwischen verschiedenen Ministerien, Tarifpartnern und Experten soll ausgelotet werden, wie Arbeitnehmer und Verbraucher gegenüber dem Anstieg der Energiekosten abgeschirmt werden können und welches eine angemessene Lohnpolitik darstellen könnte.

In der Summe muss man konstatieren, dass die Belastungsfaktoren für die Finanzmärkte weiterhin zu vielfältig und zu kräftig sind, als dass zu diesem Zeitpunkt eine allgemeine Stimmungserholung auch nur im Ansatz erwartet werden könnte. Und auch die nähere Zukunft verspricht keine Entlastung, beginnt doch in der kommenden Woche die Quartalsberichtssaison…

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