Ungeplanter Kantersieg der Falken


Wenn man so will, lagen die „Falken“ gestern Abend mit 8-1 gegenüber den „Tauben“ vorne. Eine Reihe überraschend robuster Konjunkturdaten und etliche Äußerungen vonseiten der Fed und der EZB untermauerten die Markterwartungen einer prononcierten geldpolitischen Straffungsphase in den kommenden Monaten. In diesem Umfeld war es erstaunlich, mit welch großen Kurszuwächsen die Aktienmärkte aus dem Handel gingen – schwache Rentenmärkte entsprachen da schon eher dem Muster der vergangenen Monate. „Risk on“ in den Aktienmärkten löste beim US Dollar eine vorübergehende Schwächephase aus, aber beide Entwicklungen setzen sich heute früh zunächst nicht fort. Inflationszahlen aus Großbritannien, Kanada und der Eurozone (endgültige April-Daten) stehen heute im Mittelpunkt des Interesses.

Zu Beginn des gestrigen Tages deutete nicht viel darauf hin, dass die geldpolitischen Falken einen „Home Run“ erzielen würden. Und tatsächlich wurde erst in den Abendstunden deutlich, wie viele Daten und Ereignisse an einem einzigen Tag die Erwartung eines steilen geldpolitischen Straffungskurses der Fed, der EZB und sogar der Bank of England stützten. Erstens zeichneten Daten aus Großbritannien das Bild eines sehr engen Arbeitsmarktes mit starkem Lohndruck. Und wenngleich die Aussichten für die Konjunkturentwicklung in UK eher freudlos aussehen, könnte die Arbeitsmarktentwicklung die Bank of England zu einem eher restriktiven geldpolitischen Kurs veranlassen. Wir sind skeptisch, ob es tatsächlich zu einer Serie weiterer Zinsanhebungen kommen wird, aber im Markt schossen die Zinsanhebungserwartungen nach den Zahlen gestern früh in die Höhe und das zuletzt schwächelnde Britische Pfund legte gegenüber dem US Dollar um fast anderthalb Prozent zu.

Zweitens regte EZB Ratsmitglied Klaas Knot an, man solle auch über die Möglichkeit von Zinsanhebungsschritten im Ausmaß von 50 Basispunkten nachdenken. Diese Diskussion war bislang noch nicht geführt worden. Die Märkte preisen nunmehr Zinsanhebungen im Ausmaß von 100 Basispunkten bis Ende dieses Jahres ein, und der EUR legte gegenüber den USD gut ein Prozent zu. Weitere Unterstützung für den Euro kam (drittens) durch eine Aufwärtsrevision der BIP-Wachstumszahlen im ersten Quartal für die Eurozone von 0,2% ggü. Vq. auf 0,3% ggü. Vq.

Die restlichen „Falken-Punkte“ gingen auf das Konto der USA und der Fed. Viertens untermauerten die Daten zu den Einzelhandelsumsätzen im April (und vor allem die Datenkorrekturen für März) die Kauffreude der Konsumenten. Fünftens ließen gut aufgenommene Quartalszahlen einer Baumarktkette und gleichzeitig eher schwache Daten eines Discounters aufhorchen, geht man doch eher dann in den Baumarkt, wenn es einem (finanziell) gut geht. Sechstens lagen auch die Daten zur Industrieproduktion im April über den Erwartungen. Siebtens untermauerte der Fed-Vorsitzende im Rahmen eines WSJ-Events seine „hawkish“ klingenden Einschätzungen. Jerome Powell meinte, die Fed müsse die Leitzinsen so lange anheben, bis die Inflationsrate einen „deutlichen und überzeugenden“ („clear and convincing“) Abwärtstrend eingeschlagen habe. Er würde nicht zögern, die Zinsen auch in den restriktiven Bereich anzuheben, sollte die Fed dies für erforderlich erachten, auch wenn dieser Prozess für die amerikanische Volkswirtschaft etwas schmerzhaft sein könnte. Und achtens schließlich meinte der normalerweise dem Lager der geldpolitischen Tauben zugerechnete Chef der Fed Chicago, Charles Evans, er halte es für wahrscheinlich, dass die Leitzinsen bis in den restriktiven Bereich hinein angehoben werden müssten. Dieser Bereich wird allgemein oberhalb von 2,50% verortet. Die „Tauben“ heimsten ihren einzigen Punkt ein, als der NAHB-Aktivitätsindex für den Immobiliensektor mutmaßlich infolge der steil angestiegenen Hypothekenzinsen einen deutlichen Rückgang verbuchte.

In der Summe trieb dieses „8-1“ die Staatsanleiherenditen um teilweise mehr als 10 Bp in die Höhe, wovon sich die Anleger im Aktienmarkt jedoch nicht beeindrucken ließen. Der STOXX Europe 600 gewann 1,2%, der S&P 500 sogar 2,0%. Heute sahen wir bereits die April-Inflationszahlen für Großbritannien, die bei 9,0% ggü. Vj. in etwa die Befürchtungen bestätigten. Am Vormittag kommen die endgültigen Preisdaten für die Eurozone (die erste Schätzung lag bei 7,5% ggü. Vj.) und am Mittag jene für Kanada (die Erwartung liegt bei 6,7% ggü. vj.). Weitere Schlagzeilen dürften in Bonn geschrieben werden, wo die Finanzminister und Notenbankchefs der G7-Staaten zu einem mehrtägigen Treffen zusammenkommen. Es ist wahrscheinlich, dass auch bei den dortigen Diskussionen die „Falken“ gegenüber den „Tauben“ die Oberhand behalten dürften…

Bitte beachten Sie die wichtigen Hinweise und den Haftungsausschluss.

Diese Informationen stellen keine Anlageberatung, sondern eine Werbung dar. Das öffentliche Angebot erfolgt ausschließlich auf Grundlage eines Wertpapierprospekts, der von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht ("BaFin") gebilligt wurde. Die Billigung des Prospekts ist nicht als Empfehlung zu verstehen, diese Wertpapiere der UniCredit Bank AG zu erwerben. Allein maßgeblich sind der Prospekt einschließlich etwaiger Nachträge und die Endgültigen Bedingungen. Es wird empfohlen, diese Dokumente vor jeder Anlageentscheidung aufmerksam zu lesen, um die potenziellen Risiken und Chancen bei der Entscheidung für eine Anlage vollends zu verstehen. Sie sind im Begriff, ein Produkt zu erwerben, das nicht einfach ist und schwer zu verstehen sein kann.

Funktionsweisen der HVB Produkte

Der Beitrag Ungeplanter Kantersieg der Falken erschien zuerst auf onemarkets Blog (HypoVereinsbank - UniCredit Bank AG).

News

05.07.2022Tagesausblick für 06.07.: DAX sinkt auf Jahrestief!
05.07.2022Goods for Life – Güter des täglichen Lebens werden immer gebraucht!
05.07.2022Dow Jones – Die Freitagsgewinne sind größtenteils Geschichte
05.07.2022DAX – Bullische Anleger bleiben in der Unterzahl
05.07.2022Gas- und Strompreise steigen weiter
04.07.2022Tagesausblick für 05.07.: DAX schloss leicht im Minus. Henkel und Vitesco Technologies im Blickpunkt!
04.07.2022DAX – Zaghaft trauen sich wieder die Käufer
04.07.2022Blickpunkt Zins: Die Zinswende – Lust oder Last für den Rentenmarkt?
04.07.2022Belastungen von allen Seiten
01.07.2022Wochenausblick: DAX – vierter Monatsverlust in Folge. Silber bricht ein!
01.07.2022Nasdaq 100 – Geht noch etwas nach oben?
01.07.2022SDG Transatlantik Leaders – ein Index mit klaren Prinzipien!
01.07.2022DAX – Ein kleiner Hoffnungsschimmer?
30.06.2022Tagesausblick für 01.07.: DAX bricht ein!
30.06.2022Dow Jones – Ein heftiges Reversal
30.06.2022McDonalds – Aktie trotzt schwachem Marktumfeld
30.06.2022DAX – Die Bären kehren zurück
29.06.2022Tagesausblick für 30.06.: DAX schwächelt wieder. Wirtschaftsdaten im Blickpunkt
29.06.2022Nasdaq 100 – Ein herber Rückschlag
29.06.2022Münchener Rück – moderat bewertet. Technisch in Range gefesselt!
29.06.2022DAX – Die Schaukelbörse geht weiter
28.06.2022Tagesausblick für 29.06.: DAX – Bullen fehlt die Kraft. Auto- und Anti Plastik-Aktien im Blickpunkt!
28.06.2022Dow Jones – Das zweite Gap wartet
28.06.2022DAX – Über Umwege zum Ziel?
27.06.2022Tagesausblick für 28.06.: DAX kann Tageshoch erneut nicht halten. Wasserstoffaktien und Maschinenbauer gefragt!
27.06.2022Nasdaq 100 – Das erste Gap ist Geschichte
27.06.2022Bayer – Geschäfte laufen. Rechtsstreit bremst!
27.06.2022DAX – Anleger zeigen sich wieder enthusiastischer
27.06.2022Stockers Börsencheck – Kurszielanpassung wegen Notenbankpolitik
24.06.2022Wochenausblick: DAX – Schlusssprint reicht nicht für Wochengewinn. Banken, Blockchain und Biotech im Fokus!
24.06.2022Dow Jones – Die Bullen zeigen wieder Gesicht
24.06.2022Barrick Gold – Aktie tritt in entscheidenden Kurskorridor ein!
24.06.2022Roche – Pharmaaktie bricht nach oben aus!
24.06.2022DAX – Eine kurzfristige Bärenfalle?
23.06.2022Tagesausblick für 24.06.: DAX taucht unter 13.000 Punkte. Banken unter Druck!
23.06.2022Nasdaq 100 – Zwischen Hoffen und Bangen
23.06.2022HeidelbergCement – Letzter Strohhalm
23.06.2022DAX – Kampf um 13.000 Punkte
22.06.2022Tagesausblick für 23.06.: DAX kann anfängliche Verluste fast ausbügeln. Flugzeugbauer und Stahlriesen im Fokus!
22.06.2022DAX – Ein brachialer Konter




































Inhalte: Home + Impressum
© 2002 - 2022 - "ZERVUS" - Kozubek & Schaffelner OG - Alle Rechte vorbehalten - Alle Angaben ohne Gewähr