Dr. Spendigs Nachhaltigkeitssprechstunde: Best-in-Class


Werte Leser, Sie können sich sicher noch an Ihre Schulzeit erinnern. War der Klassenprimus oder der „Streber“, wie man gerne sagt, sehr beliebt? Und falls Sie genau diese(r) Klassenbeste(r) waren: wurden Sie von Ihren Klassenkameraden euphorisch für Ihre guten Leistungen gefeiert? Vermutlich lautet die Antwort eher nein.

Genau solche Streber verbergen sich aber nun im Nachhaltigkeitsbereich hinter dem Begriff Best-in-Class. Doch anders als in der Schule werden diese „Streber“ positiv hervorgehoben. Unter Best-in-Class Unternehmen versteht man solche, die im Vergleich zu ihrer „Peer Group“, wie man neudeutsch so schön sagt, besonders gut abschneiden. Der Bewertung zugrunde gelegt wird hierbei meistens der ESG Score, manchmal auch das ESG Rating. So weit, so einfach. Schauen wir uns das Ganze aber doch mal im Detail an, um die Tücken des Konzepts aufzudecken.

Das erste Fragezeichen wirft der Begriff „Peer Group“ auf. In der Finanzindustrie sind wir es gewohnt, Unternehmen in Sektoren einzuteilen. Es gibt hierfür verschiedene Schemata, aber diese sind in der Regel so ähnlich, dass unabhängig von den Details die Zusammensetzungen der Sektoren überwiegend identisch sind.

An dieser Stelle gehen ESG Ratingagenturen anders vor. Die Vergleichsgruppen werden nach Vergleichbarkeit der Nachhaltigkeitskriterien gebildet, nicht zwingend nach Industriezugehörigkeit. Eine Ratingagentur stellt also die Frage, bei welchen Unternehmen die einzelnen ESG Faktoren ungefähr gleich wichtig sind. Die Ratingagenturen gehen bei der Zuordnung jedoch unterschiedlich vor. So kann es passieren, dass der Klassenprimus einer bestimmten Ratingagentur bei einer anderen zu den weniger guten Schülern gehört, weil er dort in eine andere „Klasse“ eingeteilt wurde.

Kommen wir zu einem weiteren Punkt, der von der Nachhaltigkeitsbranche oft sehr unterschiedlich ausgelegt wird: was bedeutet „best“? Kann ein Unternehmen als „best“ bezeichnet werden, wenn es zu den Top 5% seiner Vergleichsgruppe gehört? Oder genügt bereits die Zugehörigkeit zu den oberen 50 % der Unternehmen?

Wenn Sie sich einmal verschiedene ESG Indizes ansehen, werden Sie eine große Bandbreite an Interpretationen des Best-in-Class Ansatzes finden. Einige Indexanbieter gehen sogar so weit, dass nur die allerschlechtesten Unternehmen (typischerweise 10% oder 20%) ausgeschlossen werden. Stellen Sie sich vor, Ihr Kind kommt nach der Zeugnisvergabe im Sommer zu Ihnen und verkündet stolz, es gehöre zu den Besten seiner Klasse. Auf Nachfrage, wie das bei den ganzen Vierern im Zeugnis sein könne, kriegen Sie zur Antwort, es sei Best-in-Class, weil es immerhin nicht sitzen geblieben sei.

Interessant finde ich bei solchen Indexkonstruktionen auch einen anderen Aspekt: Ist der Ansatz, nur die schlechtesten Unternehmen auszuschließen, nicht ein implizites Eingeständnis, dass es keinen Zusammenhang zwischen Überrendite einer Aktie und dem ESG Score des Unternehmens gibt? Wäre es anders, sollte man doch möglichst viele der „Underperformer“ aus dem Index entnehmen!?

Man könnte höchstens argumentieren, dass die in Bezug auf Nachhaltigkeit besonders schlechten Unternehmen auch sehr schlechte Performance zeigen. Im breiten Mittelfeld jedoch scheint der ESG Score unerheblich zu sein.

An dieser Stelle wird von Indexherstellern oft eingeworfen, dass nur wenige Unternehmen ausgeschlossen werden, damit die Diversifikationseigenschaften des Index erhalten bleiben. Eine starke Übergewichtung in bestimmten Sektoren soll damit verhindert werden. Aus diesem Grund trifft man auch selten auf Indizes, die einen „positive-screening“ Ansatz verfolgen. Bei diesem Ansatz wird nämlich nicht der Vergleich mit Unternehmen aus einer Peer Group gezogen, sondern es werden ganz einfach die Unternehmen mit dem besten ESG Score oder Rating allokiert.

Ja, dies wird in der Regel zu einer erhöhten Konzentration von Unternehmen aus bestimmten Industriesektoren führen, aber ich erlaube mir die Frage, ob nicht genau das erstrebenswert sein sollte, wenn der ESG Score tatsächlich eine Aussagekraft über zukünftige Überrenditen erlaubt? Sollten nicht Industrien mit tendenziell schlechten ESG Bewertungen gemieden werden?

Ich bezweifle, dass es in der Vergangenheit einen signifikanten Zusammenhang zwischen dem „Mischmasch“-Indikator ESG Score und Überrenditen gab. Für die Zukunft ausschließen kann ich diesen aber auch nicht. Allerdings sehe ich dann als Treiber dieser Überrendite nicht, dass das jeweilige Unternehmen besonders gut im Sinne von nachhaltig wirtschaftet, sondern schlicht und einfach, dass Nachhaltigkeit en vogue ist und folglich Kapitalströme in den nächsten Jahren überproportional in solche gut bewerteten Unternehmen fließen werden.

Aber selbst, wenn ich mit dieser Einschätzung falsch liegen sollte, eines wünsche ich Ihnen auf jeden Fall:

Bleiben Sie nachhaltig gesund!

Ihr Dr. Bernd Spendig

 

 

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