Neue Flucht ins Gold


Stabilisierung zum Wochenschluss


An den Aktienmärkten kam es am Freitag zu einer Stabilisierung, die Wochenbilanz bleibt allerdings negativ. Auf den Märkten lastete weiterhin der von den USA ausgehende Renditeanstieg bei Staatsanleihen. Die zehnjährige US Treasury rentierte mit 4,73 % leicht höher, ihr deutsches Pendant lag mit 3,26 % so hoch wie seit 2011 nicht mehr. Die Börsen profitierten von den Einkaufsmanagerindizes. Deren Bild war allerdings gespalten: Für das verarbeitende Gewerbe legten sie in Deutschland und Europa zu, für den Dienstleistungssektor fielen sie. Der DAX überschritt mit einem Plus von 0,6 % auf 26.137 Punkte wieder die 26.000er Marke. In den USA stieg der S&P 500 um 0,4 % auf 7.674 Zähler. Mit +8,9 % erhöhte Moderna seinen Wochengewinn auf 130 %. Das Biotechnologieunternehmen hatte in der vergangenen Woche über einen Durchbruch in der Hautkrebs-Behandlung durch den Einsatz individualisierter Messenger-RNA berichtet. Das Staatsschulden-Thema zeigte am Freitag vor allem am Goldmarkt seine Wirkung: Das gelbe Metall stieg auf 4.595 USD je Feinunze und hat damit vom Allzeithoch aus gerechnet die Hälfte der Korrektur wieder aufgeholt. Das ist vor allem insofern bemerkenswert, als bis dato steigende Zinsen den Goldpreis eher belastet hatten, da sie das renditelose Asset weniger attraktiv machten. In das Erklärungsmuster des Vertrauensverlustes passen die deutlichen Gewinne von Bitcoin.

Das Tischtuch ist zerschnitten


Am Freitagabend platzten die Verhandlungen zwischen den USA und Kanada über den gegenseitigen Handel. Washington hatte mit 50 % Sonderzöllen auf Güter wie Stahl, Aluminium und Bauholz gedroht. Angeblich hatten die Verhandlungen kurz vor dem Abschluss gestanden, aber Forderungen der USA nach einer Abschaffung zweisprachiger Produktbeschreibungen waren mit Kana-das Selbstverständnis unvereinbar. Zudem war man wohl in Ottawa zu dem Schluss gekommen, dass Erpresser durch Eingehen auf ihre Forderungen zu neuen Erpressungen ermutigt werden. Nun werden US-Importe im Gegenwert von 20 Mrd. USD mit 50%igen Zöllen belegt, und Kanada kündigte Gegenzölle in gleicher Höhe an. Die angestrebte Verlängerung des USMCA-Abkommens um 16 Jahre statt in jährlichem Rhythmus dürfte nun eben-falls obsolet sein.

Warten auf Nvidia und Jackson Hole

Asiens Märkte tendierten heute nahezu unverändert. Enttäuscht zeigten sich die Anleger allerdings von Samsung Electronics, Sie hatten sich wohl erheblich höhere Aktienrückkäufe als Folge des Halbleiterbooms erhofft. In Hongkong gibt es neue Aktien im Angebot: Der Billigversender Shein geht an die Börse und will dabei bis zu 1,77 Mrd. USD erlösen. Alibaba möchte sogar umgerechnet 10 Mrd. USD für den Ausbau seines KI-Geschäftes aufnehmen. Gold legte heute früh weiter zu auf 4.641 USD/Unze, während der Ölpreis nachgab. Hier erwarten die Anleger heute Klarheit aus dem Weißen Haus, wenn US-Finanzminister Scott Bessent seine geplanten Iran-Sanktionen spezifiziert. Heute stehen keine wichtigen Konjunkturdaten auf der Agenda, aber im Wochenverlauf kommen mit ifo-Klima und US-Verbrauchervertrauen (Dienstag) sowie den US-Auftragseingängen (Mittwoch) noch wichtige Konjunkturzahlen zur Veröffentlichung. Außerdem berichtet Nvidia über das abgelaufene Geschäftsquartal. Am Wochenende erhoffen sich die Anleger dann neue Erkenntnisse über die Zinsentwicklung vom Notenbanktreffen in Jackson Hole.


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