EZB spannt die Muskeln an


EZB-Angst vor Inflationswelle


Erwartungsgemäß hat die EZB auf ihrer gestrigen Ratssitzung keine Änderung der Leitzinsen geschlossen. Allerdings kann man kaum sagen, dass die Zentralbank untätig gewesen wäre. Kräftig hingelangt haben beispielweise die Ökonomen der EZB mit ihren neuen Projektionen zu Inflation und BIP-Wachstum. Gleich um 0,7 Prozentpunkte wurde die Projektion für die Inflation angehoben. Statt 1,9 %, wie noch im Dezember, werden jetzt 2,6 % ausgerufen. Aber das ist noch nicht alles. Gleichzeitig stellte die EZB zwei weitere Szenarien vor: ein adverses Szenario und ein strenges Szenario ("severe"). In diesen Szenarien drohen gar 3,5% bzw. 4,4 % Inflation. Im kommenden Jahr käme es im strengen Szenario sogar noch heftiger: 4,8 % wären laut EZB zu erwarten. Die Schlüssel für diese beunruhigenden Szenarien sind die Energiepreise. Im Baseline-Szenario geht es für den Ölpreis auf 81 USD je Fass aufwärts. Im adversen Szenario stehen 119 USD je Fass auf der Kurstafel - das ist kurz vor dem Ist-Stand. Im strengen Szenario sind gar 145 USD je Fass zu erwar-ten; selbst das ist aus heutiger Sicht keine Utopie. Die Gaspreise werden in den Negativszenarien des EZB ähnlich kräftig nach oben geschraubt.

Lehren aus dem Ukraine-Krieg

Niemand weiß, ob es so kommt. Auch die EZB nicht. In den Kommentaren hierzu überwog indes die Einschätzung, die auch wir teilen, dass der EZB noch die Lehren aus den Jahren 2022 und 2023 in den Knochen steckt. Damals zögerte die Notenbank lange, bevor sie den Hebel ihrer Geldpolitik umlegte. Die Unsicherheit über die weitere Entwicklung war nach dem Ende der Corona-Pandemie und bei Ausbruch des Ukraine-Kriegs ähnlich groß wie heute.

Sirenengesänge lockerer Geldpolitik


Die EZB-Spitze um Präsidentin Christine Lagarde bemühte sich deshalb auch seit Beginn der Preisexplosion, die Marktöffentlichkeit von der Ernsthaftigkeit ihrer Anti-Inflationshaltung zu überzeugen. Die Markterwartungen für die Leitzinsen haben jüngst deutlich angezogen. Dagegen hielt sich der Anstieg der Erwartungen für die mittel- bis langfristigen Inflation in Grenzen. Allerdings ist der Job der EZB damit noch nicht getan. Kritisch wird es, wenn die Inflation wirklich längere Zeit hoch bliebe. Schon im März könnte sie über 3% liegen. Eskaliert die Lage am Golf könnten die Negativszenarien der EZB eintreten. Dreh- und Angelpunkt sind die Straße von Hormus, die Öl- und Gasfelder sowie die Lager- und Verladeeinrichtungen. Schon jetzt lastet die Energiepreisexplosion auf den Perspektiven der Realwirtschaft. Der Ruf nach lockerer Geldpolitik wird in solchen Phasen erfahrungsgemäß lauter. Nicht jeder Notenbanker ist auf diesem Ohr taub. Der Datenkalender ist heute dünn besät. Die deutschen Erzeugerpreise werden für Februar gemeldet. Auch da sind die Ölpreise schon gestiegen, aber gemessen an der aktuellen Entwicklung war das noch die Stille vor dem Schuss. Der Blick der Marktteilnehmer geht zu den Kurscharts für Öl und Gas.



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