Rekordkurse in Japan, Rekordjahr in China


Avisierte Neuwahlen schwächen Yen


Der japanische Yen erreichte gestern nach Spekulationen über Neuwahlen mit 159,45 Yen pro US-Dollar den niedrigsten Stand seit eineinhalb Jahren. Die "Takaichi-Trades" schwächten den Yen schon seit einigen Monaten. Die 64jährige Premierministerin Takaichi war erst Ende Oktober als erste Regierungschefin ins Amt gewählt worden. Sie ist Verfechterin niedriger Zinsen und großzügiger Konjunkturprogramme. Speziell ersteres belastet nach aller Erfahrung eine Währung. Die Märkte gehen davon aus, dass Takaichi Druck auf die Bank of Japan in Richtung niedriger Leitzinsen ausüben wird. Dies auch, um die Zinsbelastung des Staates im Griff und damit weitere Ausgabenprogramme finanzierbar zu halten. Ihre hohen Beliebtheitswerte will sie nun für Neuwahlen im Februar nutzen. Würde sie für die LDP die absolute Mehrheit zurückerobern, könnte sie ihren Politikmix klarer durchsetzen. Für den Yen wäre das eine zusätzliche Belastung. Allerdings wird die BoJ ihrem Wunsch wohl nicht nachkommen. Sie wird vielmehr ihrem Zinserhöhungspfad weiter folgen, zumal die Kern-Inflationsrate weiterhin über 3 % liegt. Zuletzt wurde der Leitzins im Dezember auf 0,75 % angehoben. Auch an den Renten- und Aktienmärkten hinterlässt Takaichi ihre Spuren: Nikkei und Topix sind dank expansiver Fiskalpolitik auf Rekordkurs, und 10jährige japanische JGBs markierten gestern das höchste Renditeniveau seit 1999. Das steigende Zins- und Renditeniveau Japans hat potenziell globale Implikationen: Wegen wachsender relativer Attraktivität von JGBs könnten japanische Investoren Anlagegelder verstärkt auf den heimischen Markt umschichten. Dies würde Aufwärtsdruck für Renditen 10-jähriger US-Treasuries sowie für langlaufende EUR-Staatstitel bringen. Wie schon 2024 könnte eine zu rasche Rückabwicklung von Carry-Trades auch an den Aktien- und Währungsmärkten spürbar sein.

Rekordjahr für Chinas Außenhandel

Die gestern veröffentlichten Außenhandelsdaten Chinas für Dezember 2025 markieren den Schlusspunkt eines Ausnahmejahres. Trotz anhaltender handelspolitischer Turbulenzen schloss China das Jahr mit einem Rekord-überschuss von rund 1,2 Bio. USD ab - ein Plus von 20 % gegenüber 2024. Im direkten Handel rutschen die USA in ihrer Bedeutung als Exportmarkt deutlich ab. Auf Jahressicht steht ein Rückgang der Ausfuhren um 20 % zu Buche. Zwar bleiben die USA mit einem Anteil von 11 % der größte Einzelmarkt, der Abwärtstrend beschleunigte sich jedoch gegen Jahresende. Das Rekordwachstum in andere Regionen (darunter ASEAN: +13,4 %, Afrika: +25,8 %, EU: +8,4 %) unterstreicht Chinas industrielle Stärke und zunehmende Diversifizierung in Richtung Schwellenländermärkte. Insbesondere der anhaltende KI-Boom sowie die hohe Nachfrage nach Elektrofahrzeugen wirkten als Motor für die Industrie in der Volksrepublik. Zu Beginn des neuen Jahres dürfte sich die Resilienz des chinesischen Exportsektors weiter fortsetzen.

BIP-Deutschland auf der Agenda


Nach dem positiven Jahresstart gingen DAX und S&P 500 gestern auf Konsolidierungskurs. An der Wall Street zählten Banken nach den ersten Zahlenvorlagen zu den größten Verlierern, auch Tech-Aktien kamen unter Druck. In Japan geht die Rekordfahrt indes weiter. Heute setzt sich die Berichtssaison fort: Unter anderem werden Goldman Sachs und Morgan Stanley ihre Zahlen zum vierten Quartal vorlegen. Von Konjunkturseite wird heute Vormittag die erste Schätzung für das BIP-Wachstum Deutschland für das Gesamtjahr 2025 erwartet.


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