Zolldrohung schreckt Märkte auf


Zolldrohung schreckt Märkte auf


Das BIP-Wachstum in Deutschland sorgte Ende vergangener Woche für einen echten Paukenschlag. Die Zahl für das erste Quartal 2025 wurde von +0,2 % auf +0,4 % aufwärts revidiert. Eine Revision um 0,2 Prozentpunkte ist ungewöhnlich. Zudem wurden die Vorquartale bestätigt. Sonst hat man oft nur eine etwas andere Verteilung der Wachstumszahlen über den Revisionszeitraum. Effektiv sieht die Konjunktur mit den heutigen Daten deutlich besser aus als vor der Revision. Nach Angaben von Destatis haben die Exporte für die Revision eine wesentliche Rolle gespielt. So gab es bedeutende Vorzieheffekte für die Ausfuhren in die USA im Vorgriff auf befürchtete Zollerhöhungen. Auf die Dauer dürfte das zwar die Konjunktur nicht antreiben. Im zweiten oder dritten Quartal sollte es zwar eine gewisse Korrektur geben. Dennoch spricht diese Zahl dafür, dass die Konjunktur besser läuft als vor ein paar Wochen befürchtet.

Bahn frei für EZB-Zinssenkung


Gute Nachrichten gab es aus dem Euroraum für die Lohnentwicklung, zumindest durch die Brille der Notenbanker betrachtet. Der Anstieg der Tariflöhne im Euroraum hat sich im ersten Quartal deutlich abgeschwächt. Das Lohnwachstum lag bei 2,4 % nach einem Plus von 4,1 % im vierten Quartal 2024, so die EZB. Die Lohnsteigerungen gelten als Inflationstreiber vor allem im Dienstleistungssektor. Passend zu den Daten, vor allem zu den Lohndaten, äußerte Griechenlands Notenbankchef Yannis Stournaras seine Erwartung, dass die EZB im Juni die Leitzinsen weiter senken werde. "Ich denke, wir werden die Zinsen noch einmal senken im Juni und dann erwarte ich eine Pause", wurde Stournaras von einer Zeitung zitiert. Der nächste Zinsentscheid der Euro-Währungshüter steht am 5. Juni an. Danach entscheiden sie am 24. Juli über die Leitzinsen. Seit längerer Zeit betont die EZB, dass sie über ihre Leitzinsen von Sitzung zu Sitzung und nach Datenlage entscheide.

Zolldrohung aus dem Weißen Haus


Für die Entscheidungen der EZB dürfte gewiss auch die Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump relevant sein. Nachdem es Hoffnungen auf einen Kompromiss zwischen USA und EU in Sachen "reziproker Zölle" gab, goss Trump am Freitag erneut Öl ins Feuer, indem er einen Zoll für Einfuhren aus der EU in Höhe von 50% empfahl - und zwar ab 1. Juni. Die Finanzmärkte reagierten aufgeschreckt. Die Aktienmärkte gingen in einen regelrechten Sturzflug über, fingen sich dann aber im weiteren Handelsverlauf wieder etwas. Für heute stehen die Zeichen am Aktienmarkt sogar auf Erholung, nachdem Trump am Wochenende eine Fristverlängerung vor Erhebung der angekündigten Zölle bis zum 9. Juli verkündet hatte. Der Datenkalender bleibt heute leer. In den USA ist Memorial Day für die im Dienst für das Vaterland gefallenen amerikanischen Soldaten. Die Börsen bleiben geschlossen. Vielleicht kann eine nachmittägliche Rede von EZB-Präsidentin Christine Lagarde die Märkte bewegen. Lagarde spricht in Berlin zur "Rolle Europas in einer fragmentierten Welt". Wahrlich ein aktuelles Thema!


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