LBBW Morgeninfo: Hoffnung auf Inflationswende


Aktienmärkte profitieren von rückläufigen Energiepreisen


Nach einer Konsolidierung infolge der Notenbanksitzungen Mitte/Ende Dezember, starteten die europäischen Aktienmärkte gut ins neue Jahr. Der DAX legte allein gestern gut 2% zu, seit Jahresanfang bereits über 3%. Haupttreiber dieser erfreulichen Entwicklung dürfte die Hoffnung auf sinkende Inflationsraten und damit verbunden ein perspektivisches Ende der Leitzinserhöhungen sein. Die in den letzten beiden Tagen veröffentlichten Inflationszahlen aus einigen größeren europäischen Ländern für Dezember fielen niedriger als erwartet aus. Der aktuelle Rückgang der Rohölpreise – das Fass Brent kostet aktuell nur noch 78 USD – sowie der starke Rückgang der Gaspreise am Großhandelsmarkt auf den niedrigsten Wert seit November 2021 verstärken die Hoffnung auf weiter signifikant sinkende Inflationsraten im Jahresverlauf. Der starke Rückgang der Gaspreise in den vergangenen Wochen ist u.E. auf drei wesentliche Faktoren zurückzuführen: Der sehr milde Winter führt zu einer direkten Reduzierung des Verbrauchs. Zudem sind die Gasspeicher in Europa mit einem Füllstand von rund 90% weiter sehr gut gefüllt – der Füllstand steigt sogar in einigen Ländern wie z.B. Deutschland weiter an. Selbst bei einem starken Wintereinbruch droht nach unserer Meinung für dieses Jahr keine Gasknappheit mehr. Des Weiteren kann über neue LNG-Terminals mittlerweile Flüssiggas über Tanker direkt ins deutsche Gasnetz eingespeist werden. Dies reduziert die Abhängigkeit von russischem Pipeline-Gas weiter.

Schwächere US-Wirtschaft dürfte Preisdruck dämpfen


Der gestern Nachmittag veröffentlichte ISM-Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe in den USA ist von 49,0 im November auf 48,4 Punkte im Dezember gesunken und befindet sich damit den zweiten Monat in Folge unter der Expansionsschwelle von 50 Punkten. Wichtiger noch: Die Unternehmen gaben nicht nur an, dass ihre Einstandspreise gesunken sind. Auch ihre Auslieferungen gehen schneller vonstatten. Beides spricht dafür, dass auch auf der Ebene der Endverbraucher der Preisaufwärtsdruck weiter nachlassen sollte.

Wie lange heben die Notenbanken die Leitzinsen noch an?


Ein im Trend sinkender Preisdruck könnte zu einem der bestimmenden Themen des Jahres 2023 werden und den Weg zum Auslaufen der geldpolitischen Straffung ebnen. Auf kurze Sicht erwarten wir jedoch sowohl für die Fed als auch für die EZB weitere Leitzinsschritte nach oben. Im Falle der Fed rechnen wir mit jeweils mit 25 Bp. Anhebung bei den nächsten zwei Notenbanksitzungen. Unserer Prognose nach dürfte der Leitzins-Peak dann bei 5% erreicht sein. Im Falle der EZB sehen wir eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass die EZB den Einlagesatz auf ihren Sitzungen im Februar und März um jeweils weitere 50 Bp auf dann 3% anheben wird. Bei unserer Prognose, wonach der EZB-Einlagesatz bei 3% seinen Gipfel erreicht, überwiegen jedoch die Aufwärtsrisiken.

Ausblick


Die asiatischen Aktienmärkte stiegen heute Morgen auf ein 4-Monatshoch. Der wesentliche Treiber ist die Aufgabe der Null-Covid-Strategie und das damit verbundene Wegfallen von Restriktionen. Nach der starken Entwicklung gestern deuten die Aktienfutures in Europa heute Morgen auf leichte Kursverluste hin. Ein Grund hierfür könnten das gestern Abend veröffentlichte Protokoll der letzten US-Notenbanksitzung sein. Hier deutet die Fed an, dass Hoffnungen seitens der Marktteilnehmer auf Leitzinssenkungen bereits in diesem Jahr verfrüht wären.



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