Eingeloggte Kurveninversion


Die großen Zentralbanken gehören mit ihren Ankündigungen und Entscheidungen zu den bedeutendsten Kurstreibern in den Finanzmärkten. In dieser Woche dominieren auf dem Ereigniskalender Reden von Notenbankvertretern und Veröffentlichungen von Sitzungsprotokollen. Der tatsächliche Einfluss der unterschiedlichen Einlassungen der verschiedenen Zentralbankvertreter auf das Kursgeschehen ist am aktuellen Rand jedoch sehr gering. Dies könnte ein Zeichen dafür sein, dass die Erwartungen der Anleger über das weitere Ausmaß an Leitzinsanhebungen für den Moment recht gut verankert ist. Nachdem die Handelswoche in den USA wegen des Thanksgiving-Feiertags am Donnerstag auch noch abgekürzt sein wird, dürfte wohl erst nächste Woche mit der Veröffentlichung neuer Inflationsdaten für die Eurozone und dem Arbeitsmarktbericht in den USA wieder mehr Dynamik in das Handelsgeschehen zurückkehren.

Ein Gerücht, eine Zahl und ein halbes Dutzend Zentralbanker dominierten gestern die Schlagzeilen. Das Marktgerücht handelte von einer möglichen Ausweitung der Ölfördermengen durch die OPEC. Kurzfristig fiel der Preis für ein Fass der Sorte Brent um mehr als fünf Prozent auf weniger als 83 USD und damit das niedrigste Niveau seit Januar. An den Rentenmärkten rutschten die Renditen ab in der Hoffnung, ein schwächerer Ölpreis würde den Inflationsdruck und dadurch den Druck auf die Zentralbanken dämpfen, die Geldpolitik weiter zu straffen. Knapp drei Stunden, nachdem die OPEC-Vermutungen die Runde machten, erfolgte seitens Saudi-Arabien jedoch ein klares Dementi – und Ölpreise und Anleihekurse kehrten binnen weniger Minuten zurück auf jene Niveaus, welche sie zuvor gehalten hatten.

Diese Kursniveaus wiederum waren insbesondere an den Rentenmärkten kaum verändert im Vergleich zum vergangenen Freitag. Und das, obwohl Preisdaten aus Deutschland und eine Serie von Notenbankvertretern mit ihren Einlassungen eigentlich eine prononciertere Kursreaktion erlaubt hätte. Das Statistische Bundesamt hatte am Morgen berichtet, die Erzeugerpreise gewerblicher Produkte seien im Oktober um 4,2% niedriger als im September gewesen. Das erste Mal seit zweieinhalb Jahren habe es damit im Monatsvergleich wieder einen Rückgang bei den Produzentenpreisen gegeben, berichtete Destatis. Die Jahresteuerungsrate rutschte von über 45% auf weniger als 35%. In den deutschsprachigen Medien setzte unmittelbar eine Diskussion darüber ein, ob diese Zahlen das Signal für eine Wende in der Inflationsentwicklung darstellen könnten. Die Anleger an den Finanzmärkten zeigten sich hingegen deutlich weniger aufgeregt, etwaige Bewegungen in der Renditekurve musste man mit der Zinslupe suchen.

Die verhaltene Marktreaktion mag daran gelegen haben, dass wohl kaum ein Marktteilnehmer damit rechnete, dass die EZB-Vertreter als Antwort auf die deutschen PPI-Zahlen ihre Rhetorik ändern würden. Und tatsächlich, nicht weniger als vier EZB-Offizielle erhoben im weiteren Tagesverlauf ihre Stimme, keiner von ihnen rückte jedoch erkennbar von bekannten Positionen ab. Bei sehr geringen Renditeschwankungen in der Bundkurve konnten wir immerhin eine Tendenz in Richtung einer tieferen Inversion des Renditeabstands zwischen 2- und 10-jährigen Bundesanleihen erkennen. Hauptursache für diese Inversion selbst ist die Erwartung baldiger Leitzinssenkungen in den Geldmarktforwards. Für die EZB preisen die Märkte zwischen Mitte 2023 und Ende 2024 knapp 50 Bp an Zinssenkungen ein, für die USA sogar mehr als 150 Bp (gestern hatten in diesem Zusammenhang irrtümlicherweise den Zeitraum von Mitte 2023 bis Ende 2023 angegeben, es handelt sich aber um den 18-Monats-Zeitraum bis Ende 2024).

Auch heute erwarten wir wieder einen Datenpunkt (das Verbrauchervertrauen in der Eurozone) und rund ein halbes Dutzend öffentliche Auftritte von Vertretern der Fed und der EZB. Am ruhigen Marktbild, insbesondere im Rentenmarkt, scheint sich dabei zunächst nichts zu ändern. Möglicherweise kommt wieder Bewegung in den Markt, sollten wie gestern plötzlich Gerüchte kursieren – was für Hypothesen dies sein könnten, darüber können wir freilich keine Mutmaßungen anstellen…

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