Wir machen Doppelwumms. Whatever it takes. Das ist der richtige Plan.


Das derzeit äußerst anspruchsvolle gesamtwirtschaftliche Umfeld führte gestern zu gleich drei Worten bzw. Sätzen, die schon jetzt ihren Platz in den Geschichtsbüchern sicher haben dürften. An den Märkten lassen es die Anleger nach mehreren Tagen außergewöhnlich großer Kursschwankungen heute früh etwas ruhiger angehen.

Gasumlage, Strompreisdeckel, Abwehrschirm – Hilfsmaßnahmen in Krisenzeiten sind immer auch eine Bereicherung der deutschen Sprache. Vom Zeitpunkt her einigermaßen überraschend stellte Bundeskanzler Olaf Scholz gemeinsam mit Umweltminister Robert Habeck und Finanzminister Christian Lindner gestern das neueste Unterstützungspaket für Bürger und Unternehmen vor. Ein 200 Milliarden Euro großer „Abwehrschirm“ soll im Wesentlichen eine Deckelung der Preise für die Energieverbraucher ermöglichen. Die Gelder hierfür stammen aus einer Reaktivierung des Wirtschaftsstabilitätsfonds (WSF). Dieser wurde zu Beginn der Corona-Krise gebildet und als Sondervermögen neben dem normalen Bundeshaushalt platziert. Die erforderliche Kreditaufnahme fällt damit zwar nicht unter die Regeln zu den Schuldengrenzen, muss aber dennoch erfolgen. Im Sommer vor zwei Jahren sagte Scholz, damals noch Finanzminister, bei der Vorstellung eines Konjunkturstützungspakets mitten in Coronazeiten: „Wir wollen mit Wumms aus der Krise kommen.“ Darauf anspielend bezeichnete er gestern den neuen Abwehrschirm als „Doppelwumms“.

Eine Folge der hohen Energiepreise ist eine Inflationsrate, die im September in Deutschland erstmals seit Anfang der 1950er Jahre wieder zweistellig war. Um 10,0% nach deutscher Statistik und um sogar 10,9% nach Berechnungsmethode Eurostat legten die Verbraucherpreise in den letzten zwölf Monaten zu. Um 11 Uhr heute Vormittag werden die Daten für die Eurozone bekanntgegeben, und diese dürften sich auf einem ganz ähnlichen Niveau bewegen. Gleichzeitig steht uns im Winter eine konjunkturelle Rezession ins Haus, wie mittlerweile wohl alle Prognostiker einhellig erwarten. Die Europäische Zentralbank nimmt ihr Inflationsmandat jedoch sehr ernst und stellt die Inflationsbekämpfung weit über die Konjunkturstützung. Mehrere Dutzend Notenbankvertreter hatten in den vergangenen Tagen öffentliche Auftritte, und uns ist kein einziger aufgefallen, der angesichts der trüben Konjunkturaussichten bezüglich der geldpolitischen Straffungspläne zurückgerudert wäre. Luis de Guindos, Vizepräsident der Notenbank, ging sogar so weit, den Kampf gegen die Inflationsgefahren mit den legendären „Whatever it takes“-Worten Mario Draghis zu beschreiben. Eine weitere Leitzinsanhebung um einen dreiviertel Prozentpunkt auf der nächsten EZB-Ratssitzung Ende Oktober gilt derzeit als sehr wahrscheinlich.

Jenseits des Ärmelkanals in Großbritannien hatte die seit Anfang September amtierende neue Regierung unter Premierministerin Liz Truss vor genau einer Woche, ähnlich wie gestern die Bundesregierung, ebenfalls ein Stützungspaket zur Abfederung des Energiepreisanstiegs ausgerollt. Zusätzlich stellte Schatzkanzler Kwasi Kwarteng ein Steuersenkungspaket vor, welches vom Ausmaß her als das größte seit 1972 bezeichnet wurde. Die Teilnehmer an den Finanzmärkten reagierten mit großer Skepsis auf diese Pläne. Das Pfund stürzte gegenüber dem US Dollar auf ein Allzeittief, die Staatsanleiherenditen stiegen vertikal bis auf über 5% an. Erst zweimaliges Eingreifen der Bank of England konnte die Märkte halbwegs stabilisieren. Truss meldete sich gestern nach mehrtägiger Zurückhaltung erstmals stellungnehmend zu den Steuerplänen zu Wort. Allen Kritiken zum Trotz verteidigte sie die Vorhaben der Regierung mit den Worten: „Das ist der richtige Plan.“

Am Bund- und EUR-Swapmarkt führten Ansteckungseffekte vom Giltmarkt sowie die Stützungspläne der Bundesregierung zu einer Versteilerung der Zinskurve. Vor dem Hintergrund der hawkishen EZB-Rhetorik ist dies eine untypische Entwicklung. Erfahrungsgemäß sind Phasen, in welchen Erwartungen eines höheren Angebots an Bundesanleihen das Kursbild bestimmen, eher kurzlebig. Insofern gehen wir davon aus, dass die Bundkurve schon bald wieder ihren vorherigen Abflachungstrend aufnehmen wird – möglicherweise schon heute mit Veröffentlichung der EWU-weiten Inflationsdaten…

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