Vier Interventionen und ein Inflationsanstieg


Die Renditen steigen, die Renditen fallen, die Renditen steigen – und das in fast stündlichem Wechsel und im Ausmaß zweistelliger Basispunkte. Von Freitag bis Dienstag trieb ein massiver Anstieg der britischen Staatsanleiherenditen die Bundrenditen nach oben, gestern löste die Bank of England mit der Ankündigung eines Anleihekaufprogramms zur Marktstabilisierung eine kräftige Gegenbewegung aus, und heute früh treiben erste Inflationszahlen aus Deutschland die Bundrenditen erneut in die Höhe. Begleitet werden diese hochvolatilen Entwicklungen von Einlassungen zahlreicher EZB-Vertreter, aus denen im Tenor eine Tendenz in Richtung einer weiteren 75-Bp-Zinsanhebung herauszulesen ist.

Wenn Kursentwicklungen an den Finanz- und Devisenmärkten drohen, „zügellos“ („disorderly“) zu werden, schlägt die Stunde der Zentralbankinterventionen. Vergangene Woche war es zunächst die Bank of Japan (BoJ), die am Devisenmarkt zur Stützung des Yen auftrat. Am Montagabend folgte die Bank of England (BoE) mit einer Verlautbarung zur Stabilisierung des Pfund Sterling. Am gestrigen Vormittag veröffentlichte die People‘s Bank of China (PBoC) eine Stellungnahme, in welcher sie vor einseitigen Wetten an den Devisenmärkten warnte. Kaum eine Stunde später trat erneut die Bank of England auf die Bildfläche. Mit einem kurzzeitigen, vom Volumen her aber potenziell unbegrenzten Anleihe-Kaufprogramm zielt die BoE auf eine Stabilisierung des britischen Rentenmarkts.

Lässt sich bereits ein Erfolg dieser Eingriffe abschätzen? Die BoJ intervenierte, als der USD-JPY-Wechselkurs fast bis auf 146 gestiegen war. Das Währungspaar fiel dann bis auf fast 140, handelt aktuell jedoch bereits wieder nahe der Marke von 145. Erneute Eingriffe am Devisenmarkt erscheinen hier in den nächsten Tagen und Wochen durchaus wahrscheinlich. Die BoE versuchte mit ihrer Stellungnahme am Montag, die Abwertung des Pfunds aufzufangen. Das GBP kostete Montagfrüh zeitweilig nur noch USD 1,0350, so wenig wie nie zuvor. Seither pendelt Cable (GBP-USD) zwischen 1,07 und 1,09. Historisch betrachtet sind das immer noch extrem niedrige Kurse, aber bislang erfolgte kein weiterer Test neuer Tiefstände. Die PBoC sendete ihre Warnung aus, als USD-CNY bei 7,25 das höchste Kursniveau erreichte, seit die Notenbank im Jahr 2010 zu einem flexibleren Wechselkurssystem überging. Aktuell notiert USD-CNY knapp unterhalb von 7,20 – was vor zwei Tagen noch einen Höchststand bedeutet hätte. Am markantesten war die Wirkung der gestrigen BoE-Ankündigung am britischen Staatsanleihemarkt. Dort war die 30J Gilt-Rendite in der kurzen Zeit seit der Zinsanhebung der BoE am Donnerstag vergangener Woche um mehr als 150 Bp und erstmals seit 20 Jahren wieder auf über 5% gestiegen. Allein am gestrigen Nachmittag ging diese Rendite um 115 Bp zurück. Zur Verdeutlichung: der Kurs der noch länger laufenden 50-jährigen britischen Staatsanleihe legte gestern Nachmittag innerhalb von fünf Stunden um bis zu 40 Prozent zu.

Im Schatten dieser historischen Kursausschläge müssen die Anleger heute die September-Inflationsdaten aus Deutschland, Spanien und Belgien verarbeiten. Um 7:30 Uhr wurde für Nordrhein-Westfalen ein Anstieg um 1,8% ggü. August 2022 und um 10,1% im Vergleich zu September 2021 veröffentlicht. Diese Werte lagen deutlich über jenen, die für Gesamtdeutschland erwartet werden. Die bundesweiten Inflationsdaten sind für 14 Uhr angekündigt. Am Bundmarkt lösten die NRW-Zahlen eine Schockreaktion aus, der Bund Future fiel um über 100 Stellen, und die 10J Bundrendite sprang zu Handelsbeginn um mehr als 10 Bp in die Höhe. Nachdem die Inflationsdaten in Spanien wiederum deutlich unter den Erwartungen lagen, hat sich das Marktgeschehen für den Moment beruhigt.

Inmitten all dieser Entwicklungen begleiten uns etliche Einschätzungen von EZB-Vertretern. Einige Ratsmitglieder haben sich mittlerweile klar für eine weitere Anhebung um 75 Bp auf der nächsten Ratssitzung Ende dieses Monats ausgesprochen. Gleichzeitig vertreten einige Ratsmitglieder die Meinung, der Leitzins solle zunächst mal auf sein „neutrales“ Niveau angehoben werden, bevor über weitere Straffungsschritte entschieden werde könne. Dieses „neutrale“ Zinsniveau wird bei 1‑2% vermutet, aber selbst EZB-Vertreter sind zurückhaltend, sich in diesem Punkt auf einen Wert festzulegen. Zügige, aber nicht allzu hoch führende Zinsanhebungen sprechen grundsätzlich für eine weitere Abflachung der Bundkurve…

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