Deutliche Schwächesignale aus den USA


Europa überraschend robust, die USA unerwartet schwach – diese Schlussfolgerung lässt sich aus den jüngst veröffentlichten Konjunkturdaten und den Marktentwicklungen der vergangenen Tage ziehen. Der Eindruck schlägt sich sogar in der Diskussion um die Zinspolitik der jeweiligen Notenbanken nieder: ein Fed-Mitglied spricht plötzlich von einer möglichen Zinsanhebungspause im September, während die Zahl derjenigen EZB-Vertreter, die sich für Zinsanhebungsschritte im Ausmaß von 50 Basispunkten aussprechen, wächst. An einem was Datenveröffentlichungen angeht recht ereignisarmen Mittwoch gilt der Fokus somit klar den Verlautbarungen aus den jeweiligen Zentralbanken. Für den Vormittag sind gleich ein halbes Dutzend Reden von EZB-Vertretern anberaumt, und am Abend veröffentlicht die Fed die FOMC-Minutes.

Es war ein merkwürdiger Tag gestern, weil nahezu sämtliche marktrelevanten Nachrichten aus den USA das Bild einer an Dynamik verlierenden Volkswirtschaft widerspiegelten. So zeigt der Immobilienmarkt mittlerweile deutliche Bremsspuren. Im Monat April wurden rund 17% weniger neue Häuser verkauft als im Vormonat. Der steile Anstieg der Hypothekenzinsen von rund 3% Anfang des Jahres auf zuletzt 5¼% dürfte ein maßgeblicher Faktor für diese Entwicklung sein. Auch andere Daten zum Immobilienmarkt, vor allem der entsprechende Aktivitätsindex (NAHB) hatten jüngst auf deutlich nachlassende Dynamik im amerikanischen Immobiliensektor hingedeutet. Im verarbeitenden Gewerbe deuten sämtliche regionalen Fed-Umfragen auf eine abnehmende Aktivität hin, gestern verzeichnete der entsprechende Indikator für die Region Richmond den zweitstärksten Rückgang im Monatsvergleich seit Beginn der Erhebung vor knapp dreißig Jahren, unterboten lediglich durch den Pandemie-Monat April 2020. Der in den USA weniger als in Europa beachtete Einkaufsmanagerindex (PMI) war hingegen für das verarbeitende Gewerbe recht robust, sendete allerdings für den Dienstleistungssektor Schwächesignale. Freilich, die Fallhöhe der meisten amerikanischen Konjunkturindikatoren ist bzw. war ziemlich hoch, kommen wir doch aus einer Phase der wiedereröffnungsbedingten Hochkonjunktur. Das Ausmaß der Verschlechterung in den hochfrequenten Indikatoren hat die Beobachter aber überrascht. Der Citi Konjunkturdaten-Überraschungsindex (Economic Surprise Index) befindet sich seit Ende April geradezu im Sturzflug. Der Rückgang um fast 100 Indexpunkte innerhalb der vergangenen vier Wochen war der stärkste seit fast 20 Jahren, wenn wir die Pandemiephase ausklammern.

Diese Entwicklungen können vielleicht recht gut die jüngsten Marktentwicklungen erklären. Zunächst waren es ja „nur“ die Aktienmärkte, die seit Ende März klar nach unten tendierten. Der S&P 500 hat seither gut 15% abgegeben. Die momentane Konjunkturschwäche schlägt sich mittlerweile aber auch im Rentenmarkt nieder. Das Renditehoch bei 10-jährigen Treasuries sahen wir am 6. Mai knapp oberhalb von 3%. Seither ist aus einer negativen Korrelation zwischen Aktien und Renditen (steigende Renditen, fallende Aktien) eine positive Korrelation geworden (fallende Renditen, fallende Aktien). Seit zwei Wochen tendiert sogar der zuvor ein Jahr lang eigentlich nur nach oben strebende US Dollar leichter. Am 12./13. Mai war EUR-USD unter die Marke von 1,04 gerutscht, und es schien nur noch eine Frage der Zeit zu sein, bis die Parität erreicht werden würde. Seither ging a stramm nach oben, gestern wurde bei 1,0750 eine wichtige technische Marke touchiert, allerdings (noch) nicht überschritten. Auf handelsgewichteter Basis hat der Greenback in den letzten zwei Wochen rund 3% abgegeben.

Die Anleger werden bezüglich kommender Zinsanhebungen der Fed vorsichtiger. Das FOMC-Mitglied Raphael Bostic brachte unlängst sogar eine mögliche Zinsanhebungspause im September in die Diskussion. Die heute Abend zur Veröffentlichung anstehenden Minutes der FOMC-Sitzung vom 4. Mai dürften hingegen eher noch die Diskussion um einen steilen Zinsanhebungspfad reflektieren, war die konjunkturelle Datenlage zu diesem Zeitpunkt doch noch deutlich erfreulicher. Ganz anders das Bild in der Eurozone. Hier gewinnt die Diskussion an Fahrt, ob nicht auch die EZB Zinsanhebungsschritte um 50 Basispunkte in Erwägung ziehen sollte. Österreichs Ratsmitglied Robert Holzmann ist klar dafür, der Niederländer Klaas Knot tendiert ebenso in diese Richtung, Martin Kazaks aus Lettland zeigt sich hierfür offen. Ein halbes Dutzend EZB-Vertreter dürfte im Rahmen öffentlicher Auftritte diese Diskussion heute weiter beleben. Die Anleger erwarten deren Aussagen in einem Marktumfeld, dass sich wenigstens für den Moment beruhigt hat…

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