Margendruck im US-Einzelhandel


Gerade sah es am Dienstag so aus, als würden die Aktienmärkte Fuß fassen, da wurden die Anleger gestern eines Besseren belehrt. Die europäischen Indizes gaben mehr als 1% ab, die amerikanischen Benchmarks verloren sogar 4-5%. Am Dienstag waren es die (makroökonomischen) Einzelhandelsumsätze, welche den Aktienmärkten die Kursgewinne bescherten, gestern waren es ausgerechnet die (mikroökonomischen) Einzelhandelsumsätze, welche hauptverantwortlich für den Ausverkauf zeichneten. Ein Market Mover könnten heute auch die wöchentlichen Neuanträge auf Arbeitslosengeld werden, sollte sich der leichte Aufwärtstrend der vergangenen vier Wochen fortsetzen.

Hohe Umsätze sind etwas Feines, aber unter dem Strich kommt es darauf an, ob mit großartigen Verkäufen auch ausreichend Geld verdient wird. Meldungen aus dem amerikanischen Einzelhandel über die vergangenen zwei Tage belegen eindrucksvoll, dass in einem hochinflationären Umfeld hohe Umsätze eben nicht gleichzusetzen sind mit hohen Erträgen. Am Dienstag zeigten die Zahlen der Statistikbehörde einen unerwartet starken Anstieg der Umsätze im Einzelhandel. Im März kletterten diese im Vergleich zum Februar um 1,4%, im April noch einmal um 0,9%. Hierbei handelt es sich um nominale Werte, ein Gutteil dieser Zuwächse ist folglich den gestiegenen Preisen geschuldet. Aber auch unter Herausrechnung des Inflationseffekts bescheinigten die Volkswirte den USA eine robuste Entwicklung der Konsumnachfrage. Die Anleger nahmen diese makroökonomischen Daten mit Freude zur Kenntnis. „Der Konsument rettet die Konjunktur“, hieß es in Kommentaren, und der S&P 500 schloss am Dienstag gut 2% höher.

Mikroökonomisch folgte die Ernüchterung auf dem Fuße. Zwei große Einzelhandelsketten in den USA legten in den vergangenen 48 Stunden ihre Zahlen vor. Die gestiegenen Umsätze konnten die Unternehmen bestätigen – allerdings auf Kosten merklich geschrumpfter Margen. Zwei Hauptgründe wurden hierzu angeführt: Zum einen kämpfen die Unternehmen mit hohen Kosten auf der betrieblichen Ebene. Zum anderen litten sie wohl insbesondere in den letzten 2-3 Monaten unter einem sich rasch wandelnden Kaufverhalten der Konsumenten. Diese fragten weniger „diskretionäre“ oder „nicht-essentielle“ Produkte wie Küchenutensilien oder Elektronikartikel nach, dafür mehr solche Produkte, welche die Grundbedürfnisse befriedigen – mit dem Nebeneffekt, dass die Lagerbestände mit „diskretionären“ Produkten anschwollen. Problem ist, dass die „Essentials“ regelmäßig niedrigere Margen abwerfen als die „Non-Essentials“. Die höheren Kosten, vor allem aber die Margen-belastende Verschiebung im Nachfrage-Mix kam für die Unternehmen wie für die Anleger in diesem Ausmaß überraschend. Beide Einzeltitel verbuchten ihre stärksten Tagesverluste seit dem Schwarzen Montag 1987 und zogen nicht nur ihr Segment, sondern die gesamten Aktienmärkte nach unten.

Die Anleger versuchen nun, mögliche Implikationen dieser Entwicklungen auf andere Sektoren abzuleiten. Statt einer „technischen Gegenbewegung“ sehen wir heute früh eine Fortsetzung der Abwärtsbewegung, wenn auch zunächst in überschaubarem Ausmaß von weniger als einem halben Prozent. Sollten die Anleger nun auch für andere Branchen einen stärkeren Druck auf die Margen sehen, würde dies wohl weitere Kursanpassungen nach unten nach sich ziehen. Druck auf die Gewinnmargen ist aus Notenbanksicht im aktuellen Hochinflationsumfeld positiv zu bewerten. Es wäre aber wohl verfrüht, aus den jüngsten Erkenntnissen bereits eine weniger straffe geldpolitische Gangart der Fed oder der EZB abzuleiten.

Neue Erkenntnisse über den anvisierten Zinsanhebungszyklus der EZB erhoffen sich die Beobachter von dem heute um 13.30 Uhr zur Veröffentlichung anstehenden Kurzprotokoll („Account“) der Ratssitzung von Mitte April. Seinerzeit gewann innerhalb der EZB die Diskussion über die zunehmenden Inflationserwartungen an Bedeutung. Eine Stunde später bekommen wir für die USA die Zahl der wöchentlichen Neuanträge auf Arbeitslosengeld. Von historisch niedrigem Niveau kommend weist diese Zeitreihe über die vergangenen 4-6 Wochen einen leichten Aufwärtstrend auf. Die Fed würde eine Fortsetzung dieses Trends wohl begrüßen – die Anleger hingegen sähen dies wohl eher mit Sorge…

Bitte beachten Sie die wichtigen Hinweise und den Haftungsausschluss.

Diese Informationen stellen keine Anlageberatung, sondern eine Werbung dar. Das öffentliche Angebot erfolgt ausschließlich auf Grundlage eines Wertpapierprospekts, der von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht ("BaFin") gebilligt wurde. Die Billigung des Prospekts ist nicht als Empfehlung zu verstehen, diese Wertpapiere der UniCredit Bank AG zu erwerben. Allein maßgeblich sind der Prospekt einschließlich etwaiger Nachträge und die Endgültigen Bedingungen. Es wird empfohlen, diese Dokumente vor jeder Anlageentscheidung aufmerksam zu lesen, um die potenziellen Risiken und Chancen bei der Entscheidung für eine Anlage vollends zu verstehen. Sie sind im Begriff, ein Produkt zu erwerben, das nicht einfach ist und schwer zu verstehen sein kann.

Funktionsweisen der HVB Produkte

Der Beitrag Margendruck im US-Einzelhandel erschien zuerst auf onemarkets Blog (HypoVereinsbank - UniCredit Bank AG).

News

05.07.2022Tagesausblick für 06.07.: DAX sinkt auf Jahrestief!
05.07.2022Goods for Life – Güter des täglichen Lebens werden immer gebraucht!
05.07.2022Dow Jones – Die Freitagsgewinne sind größtenteils Geschichte
05.07.2022DAX – Bullische Anleger bleiben in der Unterzahl
05.07.2022Gas- und Strompreise steigen weiter
04.07.2022Tagesausblick für 05.07.: DAX schloss leicht im Minus. Henkel und Vitesco Technologies im Blickpunkt!
04.07.2022DAX – Zaghaft trauen sich wieder die Käufer
04.07.2022Blickpunkt Zins: Die Zinswende – Lust oder Last für den Rentenmarkt?
04.07.2022Belastungen von allen Seiten
01.07.2022Wochenausblick: DAX – vierter Monatsverlust in Folge. Silber bricht ein!
01.07.2022Nasdaq 100 – Geht noch etwas nach oben?
01.07.2022SDG Transatlantik Leaders – ein Index mit klaren Prinzipien!
01.07.2022DAX – Ein kleiner Hoffnungsschimmer?
30.06.2022Tagesausblick für 01.07.: DAX bricht ein!
30.06.2022Dow Jones – Ein heftiges Reversal
30.06.2022McDonalds – Aktie trotzt schwachem Marktumfeld
30.06.2022DAX – Die Bären kehren zurück
29.06.2022Tagesausblick für 30.06.: DAX schwächelt wieder. Wirtschaftsdaten im Blickpunkt
29.06.2022Nasdaq 100 – Ein herber Rückschlag
29.06.2022Münchener Rück – moderat bewertet. Technisch in Range gefesselt!
29.06.2022DAX – Die Schaukelbörse geht weiter
28.06.2022Tagesausblick für 29.06.: DAX – Bullen fehlt die Kraft. Auto- und Anti Plastik-Aktien im Blickpunkt!
28.06.2022Dow Jones – Das zweite Gap wartet
28.06.2022DAX – Über Umwege zum Ziel?
27.06.2022Tagesausblick für 28.06.: DAX kann Tageshoch erneut nicht halten. Wasserstoffaktien und Maschinenbauer gefragt!
27.06.2022Nasdaq 100 – Das erste Gap ist Geschichte
27.06.2022Bayer – Geschäfte laufen. Rechtsstreit bremst!
27.06.2022DAX – Anleger zeigen sich wieder enthusiastischer
27.06.2022Stockers Börsencheck – Kurszielanpassung wegen Notenbankpolitik
24.06.2022Wochenausblick: DAX – Schlusssprint reicht nicht für Wochengewinn. Banken, Blockchain und Biotech im Fokus!
24.06.2022Dow Jones – Die Bullen zeigen wieder Gesicht
24.06.2022Barrick Gold – Aktie tritt in entscheidenden Kurskorridor ein!
24.06.2022Roche – Pharmaaktie bricht nach oben aus!
24.06.2022DAX – Eine kurzfristige Bärenfalle?
23.06.2022Tagesausblick für 24.06.: DAX taucht unter 13.000 Punkte. Banken unter Druck!
23.06.2022Nasdaq 100 – Zwischen Hoffen und Bangen
23.06.2022HeidelbergCement – Letzter Strohhalm
23.06.2022DAX – Kampf um 13.000 Punkte
22.06.2022Tagesausblick für 23.06.: DAX kann anfängliche Verluste fast ausbügeln. Flugzeugbauer und Stahlriesen im Fokus!
22.06.2022DAX – Ein brachialer Konter




































Inhalte: Home + Impressum
© 2002 - 2022 - "ZERVUS" - Kozubek & Schaffelner OG - Alle Rechte vorbehalten - Alle Angaben ohne Gewähr