Dr. Spendigs Nachhaltigkeitssprechstunde – Impact II


Servus und moin, moin allerseits aus München!

In der letzten Sprechstunde hatte ich das Thema „Impact Investing“ nur angerissen, in dieser möchte ich etwas mehr in die Tiefe gehen. Was genau ist also „Impact“ bzw. „Impact Investing“?

Blickt man sich auf der Suche nach Orientierung in Europa um, so findet man zum Teil sehr unterschiedliche Interpretationen des Begriffes Impact. Das Spektrum umfasst unter anderem Definitionen, bei denen Korrelation und Kausalität verwechselt werden und die ich eher als Anleitung zum „Impact Washing“ einordnen würde. Ein Beispiel hierfür: der bloße Besitz von Aktien der Firma Tesla bedeutet nicht, dass hierdurch mehr E-Autos verkauft werden, genau dies wird aber von einigen Asset Managern suggeriert. Andererseits existieren sehr strenge Auslegungen, die ich im deutschsprachigen Raum vor allem mit den Universitäten in Hamburg, Kassel und Zürich in Verbindung bringe.

Zwei Begriffe in diesem Zusammenhang, an denen sich viele Diskussionen entzünden, sind „Absicht“ und „Zusätzlichkeit“ (im Englischen „Intentionality“ und „additionality“). Verfechter eines engen Impact Begriffes fordern, dass nur dann von Impact Investing geredet wird, wenn der Investor auch die Intention hatte, etwas zum Positiven zu verändern. Rein zufällige Begleitnutzen eines Investments – siehe das Beispiel Tesla oben – reichen nicht aus.

Beim Begriff „Zusätzlichkeit“ wird gefordert, dass eine Investition in die Realwirtschaft erfolgt, die sonst nicht stattgefunden hätte. Betrachten wir als Beispiel die Finanzierung eines konkreten grünen Projekts. Erfolgt diese zu marktüblichen Konditionen, so handelt es sich nach dieser Definition nicht um Impact! Das Argument: die Finanzierung wäre ohnehin vorgenommen worden, da sie aus betriebswirtschaftlicher Sicht Sinn ergäbe. Eine Finanzierung oder ein Investment muss nach dieser Logik zu schlechteren als marktüblichen Konditionen stattfinden, damit von Impact gesprochen werden kann. Für einen Impact Investor bedeutet dies, dass er einen Renditeverlust nicht nur akzeptiert, sondern quasi voraussetzt.

Inwiefern dies bei institutionellen Investoren realistisch eingefordert werden kann, ist unklar. Immerhin haben beispielsweise Pensionsfonds oder auch Versicherer Verpflichtungen, die sich an der Rendite des Investments orientieren und weniger am Gesamtwohl. Ich gebe zu, dass ich mit dem Begriff „Zusätzlichkeit“ in dieser strengen Form fremdle. Ist es realistisch anzunehmen, dass viele Marktteilnehmer de facto Geld für den guten Zweck spenden (= die Differenz aus marktüblicher und der „Impact-Rendite“)? Ist dies nicht vielmehr zuallererst eine staatliche Aufgabe und/oder ein Betätigungsfeld von „idealistischen“ Investoren? Große Kapitalströme in diesen Bereich des Impact Investing erwarte ich aktuell aus diesem Grunde nicht.

Neben dem kontroversen Bereich der „Impact Definition“ findet man auch sehr viel Literatur zur „Wirkungsmessung“. Die HypoVereinsbank hat hierzu eine HVB Impact Matrix entwickelt, die Investitionsmöglichkeiten innerhalb der Dimensionen Messbarkeit und Art der Wirkung (direkt/indirekt) darstellt und kategorisiert. Bei Interesse daran vermittle ich gerne den Kontakt zu unseren Fachleuten.

Eine weitere spannende Frage ist, ob man nur dann von Impact Investment sprechen sollte, wenn der Impact eine gewisse Mindestgröße übersteigt. So kam mir neulich folgende Formulierung eines Unternehmens unter: „Dank unserer Initiative wurden 800 kg Holz und zwei Tonnen CO_2 eingespart“. Diese Zahlen klingen erst einmal beeindruckend. Aber wenn man sich vergegenwärtigt, dass eine Fichte etwa 470 kg pro Kubikmeter wiegt und der CO_2-Gesamtausstoß in Deutschland ca. 700 Millionen (!) Tonnen pro Jahr beträgt, dann verblassen vor diesem Hintergrund die Zahlen. Aus Sicht einer einzelnen Person könnte man sich mit solchen Einsparungen schmücken, aber Unternehmen oder Investmentprodukte sollten eine solch geringe Wirkung nicht als Impact verkaufen.

 Überhaupt scheint es mir gerade in den professionellen sozialen Medien eine Tendenz zum „man muss die Feste feuern, wie sie fallen“ zu geben. Jeder kleine Fortschritt zu mehr Nachhaltigkeit wird lautstark bejubelt, sei die tatsächliche Auswirkung auf unsere Welt auch noch so klein, während die entscheidenden Themen auf politischer und wirtschaftlicher Ebene weitgehend ungelöst bleiben. Außerdem wird bei der Impactbewertung selten analysiert, ob es ggf. negative Externalitäten gibt. Ich warte nur noch auf die Mitteilung eines Modeunternehmens, dass es seinen CO2 Fußabdruck deutlich reduziert hat, indem es einen energieintensiven Fertigungsprozess durch manuelle Kinderarbeit ersetzt hat.

Derart zynische Aktivitäten werden wir hoffentlich nie erleben. Aber Sie sehen zumindest, dass der Begriff „Impact“ kontrovers diskutiert werden kann -und sollte.

Hiermit möchte ich die heutigen Ausführungen beenden.  Ob Sie nun meinen Argumenten zustimmen oder nicht, ich wünsche Ihnen in jedem Fall:

 

Bleiben Sie nachhaltig gesund!

Ihr Dr. Bernd Spendig

 

 

 

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Funktionsweisen der HVB Produkte

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