ProSiebenSat.1 – Hoffen auf den neuen Chef!


Der Aufstieg in den DAX® im Jahr 2016 hat den Aktionären von ProSiebenSat.1 kein Glück gebracht. Im Gegenteil. Seither hat sich der Aktienwert mehr als halbiert. Im März dieses Jahres stieg der Medienkonzern wieder in die zweite Liga ab. Zeit für einen Neubeginn.

Dieser war ohnehin nötig, nachdem Thomas Ebeling Anfang des Jahres als Chef des Konzerns abgesetzt worden war. Seit Frühjahr räumt der Ex-Chef des Staubsaugerherstellers Dyson, Max Conze, bei den Münchnern auf. In den Halbjahreszahlen war davon erwartungsgemäß noch nicht viel zu sehen. Sowohl der Umsatz als auch das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen gingen gegenüber dem Vorjahreszeitraum zurück. Allerdings bestätigte das Unternehmen sein Ziel für das Gesamtjahr, den Umsatz gegenüber 2017 im niedrigen bis mittleren einstelligen Bereich steigern zu wollen. Im November – nach der Bekanntgabe der Q3-Zahlen – will Conze seine neue Strategie vorstellen. Nur so viel hat er bereits verraten: Der Unternehmenswert soll sich in drei bis fünf Jahren verdoppeln und an der von Ebeling eingeleiteten 3-Säulen-Strategie soll sich zunächst nichts ändern.

P7S1 fährt dreigleisig

Das Geschäft von ProSiebenSat.1 (P7S1) gliedert sich in drei Sparten: Entertainment, Content Production & Global Sales sowie Commerce. Den Bärenanteil von knapp 70 Prozent steuert der Bereich Entertainment zum Gesamtumsatz bei. Hier sind es in erster Linie die Werbeeinnahmen der TV-Sender ProSieben, Sat.1, kabel eins und sixx. Erfolgreiche Shows wie Heidi Klums „Germany’s next Topmodel“ und „The Voice of Germany“ reichen allerdings nicht, um den Rückgang der Werbeeinnahmen zu bremsen. Nun sollen neue Formate wie „Alle gegen 1“ und „Masters of Dance“ die Primärzielgruppe für die Werbewirtschaft, die 14- bis 49-Jährigen, wieder auf ProSieben und Sat.1 locken. Seit Jahren schalten die jungen und konsumfreudigen Zuschauer immer häufiger auf Netflix und Amazon Prime und deren eigene Serien um.

Das zweitgrößte Segment firmiert unter NuCom Group. Darin sind die Beteiligungen an E-Commerce-Unternehmen wie Amorelie, mydays, moebel.de, Flaconi, Parship und Verivox zusammengefasst. Statt einer Beteiligung in bar erhalten die Start-ups kostengünstige Werbeplätze bei den Fernsehsendern von ProSiebenSat.1. Meist sind dies Werbeplätze, die ohnehin nicht verkauft werden konnten.

Anfang des Jahres ist Investor General Atlantic mit 25,1 Prozent bei der NuCom Group eingestiegen, um die Expansion in dem Segment stärker voranzutreiben. Dass dieses Geschäftsmodell funktionieren kann, hat die einstige Beteiligung bei Zalando gezeigt. Weitere Milliardengeschäfte zeichnen sich aktuell jedoch noch nicht ab. Im ersten Halbjahr ging der Umsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum leicht auf 328 Millionen Euro zurück. Die Eigenproduktionen steuern derzeit nur knapp zwölf Prozent zum Gesamtumsatz bei.

Warten auf Conzes Programm

Ein großer Teil der Analysten ist nach Angaben von Thomson Reuters mittelfristig optimistisch gestimmt. Schließlich zählt ProSiebenSat.1 neben der RTL Group zu den größten kostenfreien Sendeanstalten in Europa. Mit dem Partner General Atlantic und dank Synergien mit dem Fernseh-segment bestehen zudem durchaus Chancen auf nachhaltiges und profitables Wachstum im E-Commerce-Bereich.

Der neue Chef Conze sollte jedoch im November einen überzeugenden Plan vorlegen, wie er das Abwandern der jüngeren Zuschauer zu Netflix und Amazon Prime sowie die starke Abhängigkeit von US-Serien wie „Two and a Half Men“ und „The Big Bang Theory“ verringern will. Die Videotochter Maxdome hat den Durchbruch bisher auch nicht geschafft. Kürzlich bekam ProSiebenSat.1 grünes Licht für eine gemeinsame Videoplattform mit dem US-Medienkonzern Discovery. In der ersten Jahreshälfte 2019 soll die Plattform starten. Einladungen an ARD, ZDF und die RTL-Gruppe wurden bereits ausgesprochen. Ziel ist es, in zwei Jahren rund zehn Millionen Streamingnutzer zu haben.

Niedrige Bewertung

Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 9,4 und einer Dividendenrendite von 8,6 Prozent (Quelle: Thomson Reuters) ist die im MDAX® notierte Aktie aktuell moderater bewertet als der Sektordurchschnitt. Dass der neue Chef zuletzt rund zwei Millionen Euro in Aktien von  ProSiebenSat.1 investiert hat, stimmt ebenfalls positiv.

Frei von Risiken ist die Aktie jedoch freilich nicht. So zweifeln einige Analysten daran, dass der Medienkonzern die Ergebnisziele für 2018 tatsächlich erreicht. Zudem belastet eine Nettoverschuldung von über zwei Milliarden Euro per 30. Juni 2018. Dies schränkt die Möglichkeiten in wachstumsstarke Bereiche zu investieren deutlich ein und schürt die Angst vor einer Dividendenkürzung.

Charttechnischer Ausblick: ProSiebenSat.1

Widerstandsmarken: 23,40/25,00 EUR

Unterstützungsmarken: 21,60 EUR

Die Aktie von ProSiebenSat.1 bildet seit Sommer 2016 einen Abwärtstrend. Aktuell deutet sich eine Stabilisierung zwischen 21,60 und 23,40 Euro an. Eine tiefergehende charttechnische Einschätzung zu ProSiebenSat.1 finden Sie bei unserem Kooperationspartner, Christian Schlegel unter: https://www.schlegel-trading.com/aktuelle-analysen

ProSiebenSat.1 in EUR; Wochenchart (1 Kerze = 1 Woche)

Betrachtungszeitraum: 18.08.2013 – 17.08.2018. Historische Betrachtungen stellen keine verlässlichen Indikatoren für zukünftige Entwicklungen dar. Quelle: onemarkets.tradingdesk.de

Investmentmöglichkeiten

Bonus-Cap-Zertifikate auf die Aktie von ProSiebenSat.1 für Spekulationen, dass sich die Aktie seitwärts oder moderat aufwärts bewegt

Basiswert WKN Verkaufspreis in EUR Barriere in EUR Cap (obere Kursgrenze) in EUR finaler Bewertungstag
ProSiebenSat.1 HX1CEA 39,41 20,00 55,00 21.12.2018
ProSiebenSat.1 HX1CEJ 31,96 18,00 50,00 20.09.2019

Quelle: HypoVereinsbank onemarkets; Stand: 17.08.2018; 9:33 Uhr

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Autor: Richard Pfadenhauer

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