LBBW Kapitalmärkte Daily: Konjunkturaussichten bleiben trübe


ZEW-Index überraschend schwach


Der vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) veröffentlichte Index zur Einschätzung der Konjunktur in den nächsten sechs Monaten fiel im April um 8,9 auf ein neues Jahrestief von 4,1 Punkten. Ökonomen hatten mit einem Anstieg gerechnet. Die Einschätzung der konjunkturellen Lage verbesserte sich zwar im laufenden Monat überraschend. Die Aussichten werden von den Finanzexperten jedoch trüber eingeschätzt: „Zum einen erwarten die Expertinnen und Experten eine vorsichtigere Kreditvergabepraxis der Banken“, sagte ZEW-Präsident Achim Wambach. „Zum anderen belasten die immer noch hohen Inflationsraten und die international restriktive Geldpolitik.“ Positiv sei, dass die Gefahr einer akuten Bankenkrise nicht mehr gesehen werde. „Die Ertragsaussichten für Banken und Versicherungsunternehmen haben sich gegenüber dem Vormonat verbessert und liegen wieder deutlich im positiven Bereich“, sagte Wambach.

Unterschiedliche Signale zu weiteren Leitzinserhöhungen der Fed


Gestern haben sich gleich zwei lokale Fed-Präsidenten zu weiteren Leitzinserhöhungen in den USA geäußert: Raphael Bostic, der Präsident der Atlanta Fed, hält nur noch einen Leitzinsschritt über 25 Bp. für notwendig und würde dann die Leitzinsen einige Zeit auf dem erreichten Niveau von 5,25% halten. Sein Amtskollege James Bullard von der Fed of St. Louis äußerte hingegen, dass er es vorziehe, die Leitzinsen auf 5,75% anzuheben. Dies entspräche drei weiteren Anhebungen um jeweils 25 Bp. Heute Abend veröffentlicht die Fed das Protokoll der letzten Notenbanksitzung. Wir erwarten hier weitere Hinweise über das Ausmaß weiterer Zinsschritte. Unsere Prognose ist, dass die amerikanische Zentralbank nur noch eine weitere Zinserhöhung um 25 Bp im Mai 2023 durchführt. Danach dürften die Leitzinsen über 6-9 Monate auf diesem restriktiven Niveau verharren. Erste Zinssenkungen erwarten wir entgegen der Markteinschätzungen erst für das Frühjahr 2024.

Ausblick – Rede EZB-Direktoriumsmitglied Schnabel


Die asiatischen Aktienmärkte sind mit Verlusten in den Tag gestartet. US-Aktienfutures deuten ebenfalls auf einen schwächeren Börsentag hin. Auf dem ökonomischen Daten stehen heute keine wesentlichen Veröffentlichungen. Die Rede des EZB- Direktoriumsmitglieds Schnabel heute Abend dürfte von den Marktteilnehmer auf Hinweise zur weiteren EZB-Politik abgeklopft werden. Im Gegensatz zur Fed erwarten wir für die EZB drei Zinserhöhungen zu je 25 Bp. Der Gipfel beim Einlagesatz-Peak dürfte bei 3,75 % liegen. Erste Senkungen seitens der EZB sehen wir aus heutiger Sicht nicht vor dem zweiten Halbjahr 2024.


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