LBBW Morgeninfo: Chaostage in Großbritannien


Chaos in Großbritannien


Der Rücktritt von Liz Truss war überfällig. Ihr Projekt schuldenfinanzierter Steuersenkungen historischen Ausmaßes ist krachend gescheitert. Da ihr Rücktritt absehbar war, hielten sich die Reaktionen an den Renten- und Devisenmärkten in Grenzen. Der Rücktritt bedeutet jedoch nicht, dass alles wieder auf „Los“ zurückgeht. Nicht nur die britische Regierung, sondern auch die Bank of England haben zuletzt kein überzeugendes Bild abgegeben. Ausländische Anleger werden bis auf Weiteres eine Risikoprämie für Anlagen im Vereinigten Königreich fordern. Angesichts eines Defizits sowohl in der Leistungsbilanz als auch im Staatshaushalt, ist eine besonders vertrauenswürdige Politik von Nöten. Bis Ende nächster Woche wollen die Tories die Nachfolge klären.
 

Inflationsdynamik ungebrochen


Gestern Vormittag wurden Zahlen zur Preisentwicklung auf Erzeugerebene in Deutschland veröffentlicht. Diese legten im September um 2,3% ggü. dem Vormonat weiter deutlich zu. Im Vergleich zum Vorjahresmonat liegt der Anstieg bei unglaublichen 45,8%! Weiterhin sind Strom, Gas und Rohölderivate um ein Vielfaches teurer als im Vorjahreszeitraum. Auch der Preisauftrieb für Ge- und Verbrauchsgüter hält an. Davon wird bei den privaten Haushalten in den kommenden Monaten ein erheblicher Teil erst noch ankommen. Die Verbraucherpreisinflation wird deshalb u.E. noch einige Monate auf sehr hohen Niveaus bleiben bzw. sogar noch weiter ansteigen. Erst für das Frühjahr sehen wir eine Erholungstendenz. Bis dahin wird die EZB unserer Meinung nach ihre Zinswende mit sehr großen Zinsschritten fortsetzen. Für die zwei verbleibenden Zentralbanksitzungen der EZB in diesem Jahr erwarten wir jeweils eine Zinsanhebung um 75 Bp. Damit dürfte der Einlagesatz bereits Ende diesen Jahres 2,25% erreichen – den Hauptrefinanzierungssatz sehen wir Ende des Jahres bei 2,75%. Die Renditen 10j. Bundesanleihen setzten nach Veröffentlichung der Erzeugerpreisdaten ihren rasanten Anstieg der letzten Wochen und Monate fort und kletterten zwischenzeitlich auf einen neuen Jahreshöchststand von über 2,44%. Nur zur Erinnerung: Zu Jahresbeginn lag die 10j. Bundrendite noch bei minus 0,18%.
 

Bundesnetzagentur sieht geringeres Risiko einer Gasmangellage


Gestern veröffentlichte die Bundesnetzagentur neue Szenarien zur Wahrscheinlichkeit einer Gasmangellage. Das Fazit der Agentur: Das Risiko ist ggü. vorherigen Einschätzungen durch die schnellere Speicherbefüllung, die Steigerung der Gaslieferungen aus anderen Ländern und den Ausbau der LNG-Terminals gesunken. Nur in einem der vier dargestellten Szenarien – im Falle eines sehr kalten Winters – käme es der Netzagentur zufolge zu einer Mangellage. Im Vergleich zu den Berechnungen der Agentur von Anfang August hat sich der Zeitpunkt einer möglichen Gasmangellage in einem besonders kalten Winter zudem von Ende November auf Ende Februar verschoben. Bei alledem bleibt aber die Reduktion des Gasverbrauchs elementar wichtig.
 

Ausblick – Renditeanstieg belastet


Auf dem ökomischen Datenkalender stehen heute keine wesentlichen Veröffentlichungen an. Die asiatischen Märkte öffneten schwächer heute Morgen und die Aktienfutures für die USA als auch Europa deuten auf Kursverluste hin. Insbesondere der weitere Anstieg der Renditen wirkt dabei kursbelastend.

 

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