LBBW Morgeninfo: Türkische Lira wieder unter Druck


Türkische Lira unter Druck
Erstmals seit September 1998 übersprang die Inflationsrate in der Türkei im August die Marke von 80%. Die Verbraucherpreise legten 80,2% zum Vorjahresmonat zu, der 15. Anstieg hintereinander. Nirgendwo rund um den Globus ist die negative Differenz zwischen dem Leitzins (13%) und der Inflationsrate so hoch wie in der Türkei. Auch die Kernrate der Inflation, bei der Preisveränderungen von Lebensmitteln und Energie herausgerechnet werden, kletterte bis dato auf 66%. In einer jüngst veröffentlichten Umfrage der Notenbank gingen die Teilnehmer in ihren Prognosen zur Inflationsentwicklung im Median davon aus, dass diese auch in zwei Jahren noch 24% betragen dürfte. Selbst die Regierung erwartet eine durchschnittliche Inflationsrate von 65% in 2022 und 25% im kommenden Jahr. Eine drohende Rezession in den Ländern Westeuropas und steigende Energiepreise während des Winters erhöhen die Risiken für eine Fortsetzung der Abwertung der türkischen Lira. Aktuell handelt EURTRY nahe einem Neunmonatshoch bei 18,45.

Entspannung am Energiemarkt
Weiterhin Entspannung deutet sich am Energiemarkt an. Der Ein-Monats-Kontrakt für Erdgas an der niederländischen Börse (TTF), notierte gestern zum Handelsschluss bei 190,50 Euro/MWh und somit das erste Mal seit Anfang August wieder unter der 200 Euromarke. Der an der Energiebörse EEX gehandelte Kontrakt zur Lieferung von Strom in Deutschland mit Fälligkeit im Januar sank ebenfalls deutlich auf 475 Euro/MWh und liegt somit gut 54% unter der Kursspitze von 1.050 Euro/MWh vom 28. August 2022.

Schweden wartet auf den Wahlsieger
Schweden, bekannt für spannende Krimiunterhaltung, Hennig Mankell und seine Kolleginnen und Kollegen lassen grüßen, erlebte am späten Sonntagabend einen Wahlthriller sowie eine Achterbahn der Gefühle: Zunächst gab es großen Jubel bei den Parteien des Linksbündnisses und der amtierenden Ministerpräsidentin Magdalena Andersson. Einige Stunden später plötzlich lauter Jubel beim anderen Lager: den bürgerlichen Parteien. Mit einem sicheren Wahlergebnis wird jedoch nicht vor Morgen gerechnet. Dann sollten auch die Stimmen aus dem Ausland ausgewertet sein, so knapp ist derzeit der Abstand zwischen den Lagern. Zum ersten Mal in der Geschichte stehen die rechtspopulistische Partei, die Schwedendemokraten, davor, zweitstärkste Kraft im Parlament zu werden. Noch nie zuvor lagen die Rechtspopulisten vor den konservativen Moderaten. Das Blue-Chip-Barometer der Börse in Stockholm, der OMX 30 zeigte sich gestern unbeeindruckt und legte um knapp 2,09% auf 1.975 Punkte zu.

ZEW Index heute im Fokus
Auf dem makroökonomischen Kalenderblatt steht heute für 8:00 Uhr die finale Veröffentlichung des Verbraucherpreisindex für den Monat August an. Wir erwarten eine Bestätigung der 7,9%. Um 11:00 Uhr folgen die ZEW Konjunkturerwartungen für den Monat September. Wir gehen davon aus, dass diese weiter im tiefroten Bereich verharren werden, erwarten aber eine leichte Verbesserung zum Vormonat. Aktuell gehen wir von -50,0 Punkten nach -55,3 im August aus. Sollte sich unsere Schätzung bestätigen, dürfte die deutsche Wirtschaft im Depressions-Modus verharren. Zugleich wäre dann der ZEW Index bereits sieben Monate in Folge im negativen Bereich. Um 14:30 Uhr ist der Fokus der Börsianer über den großen Teich gerichtet. Dort werden die neuesten Daten zur US-Verbraucherpreisinflation für den Monat August erwartet. Obwohl sich die amerikanische Notenbank Fed angesichts der nach wie vor hohen Inflationsrate weiterhin restriktiv zeigen dürfte, könnte es am Markt zu einer leichten Entspannung kommen.



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