LBBW Morgeninfo: Inflationssorgen von gestern, heute und morgen


Oberste Priorität der BoE: Inflationsbekämpfung
Die 10%-Marke ist geknackt. Im Juli stieg die britische Teuerungsrate mit 10,1% ggü. dem Vorjahresmonat so stark wie seit Anfang 1982 nicht mehr, wie das Office for National Statistics gestern mitteilte. Explodierende Energiekosten und Lieferkettenprobleme waren die Haupttreiber des Inflationsschubs. Die weiter steigenden Energiepreise setzen die Bank of England (BoE) derweil unter Druck, die Inflation in Schach zu halten. Dabei dürfte der Inflationsgipfel aber erst in einigen Monaten bei etwa 13% erreicht werden. Die Notenbank hatte zuletzt Anfang August den größten Zinsschritt (+0,5%-Punkte auf 1,75%) seit 27 Jahren gewagt. Der nächste Zinsentscheid steht am 15. September an. Vor dem Hintergrund der rasant anziehenden Lebenshaltungskosten bietet bereits eine britische Supermarktkette ihren Kunden zinslose Kredite für den Kauf von Lebensmitteln an. Der steigende Teuerungsdruck und dessen konjunkturelle Bremswirkung trieb die Anleger gestern aus den Aktienmärkten. Der DAX und Euro Stoxx 50 fielen um 2% und 1,3% auf 13.627 und 3.756 Punkte. Heute steht der Zinsentscheid der Norges Bank auf der Agenda. Die norwegische Inflation kletterte jüngst mit 6,8% auf ein 34-Jahres-Hoch, daher wird in der Reuters-Konsensprognose eine Zinserhöhung von 0,5%-Punkte auf 1,75% erwartet. Mit dem Beginn des morgigen Tages sehen wir dann noch die Juli-Inflationsdaten aus dem Land der aufgehenden Sonne. Die Inflationssorgen in Japan sind mit einem geschätzten Anstieg von 2,4% auf 2,6% aber weitestgehend überschaubar.

US-Wirtschaft im Fokus
Auf der anderen Seite des Atlantiks wurden gestern die US-Einzelhandelsumsätze gemeldet. Die Einzelhändler in den USA konnten ihre Erlöse im Juli zum Vormonat nicht steigern (0%). Ohne einen Impuls verschwimmen allmählich die Grenzen zwischen Wirtschaftswachstum und Konjunkturabschwächung. Vor allem die Gewinnerwartungen der Unternehmen erfahren ohne die Stütze der Verbraucher einen Dämpfer. Unter den heute anstehenden Konjunkturdaten dürfte der Philadelphia Fed Index, der Aufschluss über die Wirtschaftsentwicklung in den USA gibt, am ehesten für Aufmerksamkeit sorgen. Gleichfalls steht auch der Index der Frühindikatoren für Juli auf der Agenda. Mit einem prognostizierten Rückgang von 0,5% ggü. dem Vormonat dürfte er auf eine weiter schrumpfende US-Wirtschaft hindeuten.

Sanktionsauswirkungen entfalten sich langfristig
Die russische Wirtschaft ist – wenn man den offiziellen Veröffentlichungen letzten Freitag glauben darf – im 2. Quartal um 4% eingebrochen. Trotz westlicher Sanktionen hält sich die russische Konjunktur nach Einschätzung des Ministeriums für Wirtschaftsentwicklung besser als gedacht. Laut der Prognose des Ministeriums dürfte der Rückgang der Wirtschaftsleistung 2022 bei 4,2% liegen. Im Mai hatte die Behörde noch einen Rückgang um 7,8% vorhergesagt. Im kommenden Jahr dürfte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 2,7% zurückgehen. Noch im ersten Monat des Krieges prognostizierten amerikanische Großbanken einen 2022er BIP-Rückgang zwischen 10% und 13%. Seit den ersten Sanktionspaketen haben bis dato mehr als 1.300 Unternehmen ihre Geschäftstätigkeit in Russland eingeschränkt oder sich ganz aus dem Land zu rückgezogen. Der IWF prognostiziert den BIP-Abschwung von zuvor 8,5% nunmehr auf ein Minus von 6% (2023: -3,5%). Viel optimistischer sind hingegen die Bloomberg Analysten mit ihrer jüngsten Schätzung von -3,5% für 2022 (2023: -2%). Obwohl die russische Wirtschaft unter der Verschärfung der Versorgungsketteprobleme leidet und die Abkopplung vom internationalen Handel voran schreitet, dürften die Sanktionsauswirkungen wohl eher längerfristig ihre Wirkungen entfalten.

 


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