MÄRKTE AM MORGEN | Zinsspread erreicht 30-Jahres-Hoch


Die deutsche Wirtschaft befindet sich bereits mitten in einer Atempause. In den ersten drei Monaten lag das Wachstum nur noch bei 0,3 Prozent gegenüber dem vierten Quartal. Gegenwind kommt unter anderem von den Währungsmärkten, wo der Euro in den zurückliegenden zwölf Monaten um rund neun Prozent aufgewertet hat. Auch der steigende Ölpreis dämpft die Konjunkturerwartungen, vor allem die Inflationsentwicklung rückt nun immer stärker in den Fokus.

Inflation und Zinsen geben den Takt vor

Während die Wirtschaftsdaten in Euroland zuletzt durchweg enttäuschten, brummt noch der amerikanische Konjunkturmotor. Zudem muss die wachsende US-Staatsverschuldung finanziert werden. Beide Effekte treiben die Renditen nach oben. Inzwischen werfen Anleihen mit einer Laufzeit von drei Monaten knapp zwei Prozent ab, was ungefähr der Dividendenrendite des S&P 500 entspricht. Die richtungsweisenden 10-jährigen US-Staatsanleihen liegen sogar mit 3,07 Prozent auf dem höchsten Stand seit 2011. Vergleichbare deutsche Papiere werfen nur 0,6 Prozent ab. Dies führt dazu, dass die Renditedifferenz zwischen zehnjährigen deutschen und amerikanischen Papieren mit 2,4 Prozentpunkten auf dem höchsten Niveau seit fast 30 Jahren liegt. Sollte die Zinsdifferenz zunehmen, könnte der Euro gegen den Dollar weiter abwerten und so der Euro-Konjunktur wieder etwas Rückenwind verleihen. US-Aktien leiden hingegen unter den anziehenden Renditen und dem steigenden Dollar.

Schwache Vorgaben

Der ungünstige Mix führte dazu, dass die achttägige Gewinnserie beim Dow Jones am Dienstag gerissen ist. Zur Schlussglocke notierte der Index rund 0,8 Prozent tiefer und liegt auf Jahressicht wieder leicht im roten Bereich. Deutlichere Verluste verzeichneten die Tech-Aktien, der Nasdaq 100-Index fiel um 1,1 Prozent. Tesla büßten um 2,7 Prozent ein, nachdem in der Schweiz ein Fahrzeug bei einem Unfall in Flammen aufging. Rote Vorzeichen dominieren auch an den asiatischen Handelsplätzen. Nordkorea sagte ein Treffen mit südkoreanischen Vertreten ab. Das für den 12. Juni geplante Treffen von Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un mit US-Präsident Donald Trump ist nun wieder fraglich geworden.

Der DAX zeigt sich vorbörslich noch unbeeindruckt und wird nahezu unverändert bei 12.980 Punkten erwartet. Unterstützung kommt vom Währungsmarkt, wo der Euro in der Nacht gegen den Dollar ein neues Jahrestief erreichte. Unternehmensseitig stehen die Hauptversammlungen bei ProSiebenSat.1, Klöckner und Deutscher Börse im Vordergrund.

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